Umstrittene Kurdenpartei DTP bietet Vermittlung an

Wohin die drei entführten Deutschen in der Türkei verschleppt wurden, ist nach wie vor unbekannt. Die Suche läuft auf Hochtouren. Als Vermittler hat sich nun die Kurdenpartei DTP angeboten. Man werde keine Eigeninitiative starten, sich aber entsprechenden Anfragen nicht verschließen.

Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Nach wie vor gibt es keine Informationen über den Verbleib der drei deutschen Geiseln in der Türkei. Sowohl der Krisenstab in Berlin als auch die Behörden in Ankara geben keine Informationen an die Öffentlichkeit. Denn diese – so heißt es – könnten das Wohl der Verschleppten gefährten.

Türkische Medien berichten, dass in der Gegend um den Berg Ararat, die Suche nach den gekidnappten Deutschen weiter auf Hochtouren laufe. Spezialeinheiten der türkischen Sicherheitskräfte seien an der Suche beteiligt. Zudem hätten Soldaten auf den Ausfallstraßen der Region Kontrollposten eingerichtet. Immer wieder wird die Frage gestellt, ob sich die Geiseln und ihre Entführer noch in der Nähe des Ararates, also an der Grenze zu Armenien und Iran aufhalten oder auf dem Weg in die PKK-Lager jenseits der türkisch-irakischen Grenze sind. Bis dorthin sind es aber rund 300 Kilometer und im gesamten Gebiet patroulliert die türkische Armee.

Drei Wege aus der Krise 

Als Wege aus der Krise dürften sich nach jetzigem Informationsstand drei Möglichkeiten anbieten: Erstens: direkte Verhandlungen zwischen Berlin und der PKK, zweitens: PKK-Kontakte via Ankara und drittens: der Weg über die kurdische Regionalregierung im nordirakischen Arbil. Denn auf dortigem Gebiet hat die PKK ihre zentralen Lager.

Unterdessen meldet die PKK-nahe Internetseite Firatnews, auf der gestern auch die Forderungen der Geiselnehmer veröffentlicht wurden, dass sich die im türkischen Parlament vertretende Kurdenpartei DTP als Vermittler anbiete. Nach Recherchen des ARD-Hörfunks heißt es von Seiten der Partei, man werde keine Eigeninitiative starten und es lägen auch keine Anfragen vor. Gleichwohl werde man sich entsprechenden Initiativen aus Berlin nicht verschließen.

Kurdenpartei DTP gilt als verlängerter Arm der PKK 

Die DTP, gegen die die türkische Justiz ebenso ein Verbotverfahren gestartet hat wie gegen die Regierungspartei AKP, ist mit 20 Abgeordneten im türkischen Parlament vertreten. Sie wird von den Behörden als verlängerter Arm der PKK betrachtet.

Ihr Verhältnis zur kurdischen Guerilla in den Bergen Nordiraks ist in der Tat gespalten. Während der Fraktionschef der DTP, Ahmet Türk, davon spricht, dass die PKK dem Anliegen der Kurden in der Türkei und der gesamten Region schade, gibt es auch andere Stimmen. Die distanzieren sich weder vom Kult um den ehemaligen PKK-Chef Abdullah Öcalan noch von den stalinistischen Prinzipien der Terrororganisation.

DTP bereits erfolgreich als Vermittler tätig

Im vergangenen Herbst hatte sich die DTP schon einmal als Vermittlerin gezeigt. Damals hatten PKK-Schergen acht türkische Soldaten nach Nordirak verschleppt. Die Familien der Entführten hatten sich an die Kurdenpartei um Hilfe gewandt. Unter Vermittlung von Parteichefin Aysel Tuluk kamen die Soldaten wieder frei. Während die Regierung von Tayyip Erdogan eher froh über die Freilassung war, urteilte das Militär die verschleppten Soldaten intern wegen Feigheit vor dem Feind ab. Nach kurzer Haft kamen sie jedoch wieder auf freien Fuß.

Sollte also das jetzige Vermittlungsangebot der DTP ernst gemeint sein und Berlin mit dem Gedanken spielen, es anzunehmen, dürfte seitens nationalistischer und militärischer Kreise in der Türkei mit Widerstand zu rechnen sein. Zumindest, wenn eine entsprechende Initiative auch an die Öffentlichkeit kommt.

Original, Google Cache, archive.org

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