Dichte Wolken stoppen Retter

Am Nanga Parbat haben die beiden in Not geratenen Bergsteiger eine weitere Nacht auf rund 7000 Meter ausgeharrt. Einem Helikopter gelang zwar der Abwurf von Nahrung und einem Telefon in ihrer Nähe. Doch die Rettung aus der Luft scheiterte erneut.

Von Christoph Heinzle, ARD-Hörfunk Südasien

Fünf Tage sitzen Simon Kehrer und Walter Nones mittlerweile am Nanga Parbat fest. Der Samstag brachte Fortschritte, aber keine Rettung für die beiden Südtiroler Bergsteiger. Alle Hoffnung ruht nun auf neuen Anläufen. Sie sind für Sonntag gleich nach Sonnenaufgang geplant – falls sich die dichten Wolken dann wieder aufgelöst haben.

Hilfsgüter fallen in Felsspalte

Am Morgen hatte sich erneut ein Helikopter der pakistanischen Armee mit einem italienischen Rettungsteam auf den Weg zum Nanga Parbat gemacht. Mit an Bord: die Extrembergsteiger Silvio Mondinelli und Maurizio Gallo, die aus Italien für die Rettungsaktion nach Pakistan geflogen waren. Um sieben Uhr Ortszeit sichteten die Helfer die beiden in Not geratenen Südtiroler Landsleute. Kehrer und Nones winkten dem Hubschrauber zu. Die Retter warfen Funkgeräte und Nahrungsmittel ab. Doch die Pakete verfehlten ihr Ziel und fielen in eine Felsspalte.

Später dann ein weiterer Versuch mit mehr Glück. Ein Satellitentelefon und Nahrungsmittel landeten in unmittelbarer Nähe von Kehrer und Nones, so das italienische Rettungsteam und die italienische Botschaft in Islamabad. Noch gelang es aber nicht, eine Verbindung zu den beiden aufzubauen. „Leider hat es noch keinerlei Kontakt zwischen den Bergsteigern und dem Rettungsteam gegeben“, sagte der Sprecher der italienischen Botschaft in Islamabad, Sergio Oddo, „und wegen schlechten Wetters können die Helikopter jetzt nicht mehr fliegen“. Wie bereits Freitag zogen am Nachmittag wieder Wolken auf und verhinderten zunächst weitere Rettungsflüge.

Alpinisten sollen weiter absteigen

Die italienische Botschaft erklärte, die beiden Bergsteiger seien in guter Verfassung und hätten ein Zelt aufgebaut. „Aber das ist ein schwieriges Gebiet“, sagte Botschaftssprecher Oddo. Ein Koordinator der Rettungsmaßnahmen meinte, allein die Sichtung des Hubschraubers dürfte eine psychologische Unterstützung für die Südtiroler gewesen sein. Kehrer und Nones waren nach starkem Regen und Sturm auf knapp 7000 Metern in Not geraten. Ein dritter Alpinist, der bekannte Südtiroler Extrembergsteiger Karl Unterkircher, stürzte in eine Gletscherspalte und ist wahrscheinlich tot.

Für den pakistanischen Hubschrauber ist die Bergung der beiden Überlebenden sehr schwierig. Ein Armeesprecher sagte, der Helikopter sei in 7000 Metern nicht stabil. Man hoffe, dass die beiden Südtiroler ein Stück weit absteigen könnten.

Unterkircher, Kehrer und Nones wollten eine neue Route auf den Nanga Parbat eröffnen. Der neunthöchste Berg der Welt gilt unter Bergsteigern als einer der schwierigsten Gipfel. Er wird oft als „Schicksalsberg der Deutschen“ bezeichnet, da viele deutsche Expeditionen dort scheiterten. 1970 kam Reinhold Messners Bruder Günther am Nanga Parbat ums Leben. International wurde der 8000er als „killer mountain“ bekannt, als Mörderberg.

Original, Google Cache, archive.org

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