Unionsspitze will Glos doch ziehen lassen

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks wird die Unionsspitze nun doch dem Rücktrittswunsch von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos zustimmen. Darauf hätten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer verständigt. Gestern hatte Seehofer den Rücktrittswunsch des Ministers noch abgelehnt.

Glos: „Das ist etwas ganz Natürliches“

Glos selbst trat heute zunächst bei einer CSU-Veranstaltung im Fichtelgebirge auf. Dort sagte er, mit der Ankündigung, sein „stressiges Ministeramt“ aufgeben zu wollen, habe er der CSU Gelegenheit geben wollen, vor der Bundestagswahl einen Nachfolger zu bestimmen. „Das ist etwas ganz Natürliches. Ich werde alles tun, dass die CSU dadurch keinen Schaden nimmt“, sagte er. Am Abend treffen sich Seehofer und Glos an einem geheimen Ort.

Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor im Bericht aus Berlin die Union aufgefordert, die Angelegenheit rasch zu klären: „Da muss wieder Ordnung rein.“

Alleingang zum Schaden Seehofers?

Der Minister hatte seinen Rücktrittswunsch mit der von Seehofer angestrebten Verjüngung der Partei begründet: „Bereits vor dem großen Neuanfang in der Bayerischen Staatsregierung und an der Parteispitze hatte ich dir angeboten, auch über mein Ministerium disponieren zu können“, schreibt Glos in seiner Erklärung, die die „Bild am Sonntag“ veröffentlichte. Neben den parteipolitischen nannte er auch persönliche Gründe für seinen Rücktrittswunsch.

Mehrere CSU-Vorstandsmitglieder sagten dem Bayerischen Rundfunk, Glos habe mit seinem Alleingang Seehofer düpieren wollen. Diesem sei nichts anderes übrig geblieben, als den Rücktritt von Glos zunächst abzulehnen – schon um Zeit zu gewinnen.

Nachfolge-Frage offen

Wer Glos‘ Nachfolger als Wirtschaftsminister werden könnte, ist offen. CSU-Schatzmeister Thomas Bauer erklärte, er sei bereit, das Amt zu übernehmen. Aber auch die Namen von anderen CSU-Politikern werden genannt, darunter Dagmar Wöhrl, die bisher Staatssekretärin in Glos‘ Ministerium ist. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer soll das Amt nicht übernehmen wollen.

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.