Schärfere Gesetze kein Mittel gegen Amokläufe

Nach der Bluttat von Winnenden ist eine neue Diskussion um Konsequenzen entbrannt. Allerdings überwiegt die Skepsis, dass die Verschärfung von Gesetzen Taten wie den Amoklauf an der Albertville-Realschule verhindern können. Politiker wie SPD-Chef Franz Müntefering und Unions-Innenexperte Wolfgang Bosbach warnten vor vorschnellen und pauschalen Antworten.

Unter Verweis auf eine schon erfolgte Verschärfung des Waffengesetzes lehnten mehrere Politiker der Regierungskoalition in Berlin weitere Änderungen ab. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble betonte im tagesschau-Chat, auch die strengsten Vorschriften könnten nicht verhindern, dass gegen die Bestimmungen über den Waffenbesitz verstoßen werde. Entsprechend forderte die Deutsche Polizeigewerkschaft sowie die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir, die Einhaltung der Waffengesetze besser zu kontrollieren. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries gemahnte die Schützenvereine und deren Mitglieder an ihre Verantwortung.

Forderungen der Opposition zum Beispiel nach Lagerung von Sportwaffen bei den Schützenverbänden stießen auf Ablehnung. So warnte Bosbach, auf diese Weise entstünden Waffenlager, die der „Goldschatz von Fort Knox“ gesichert werden müssten. Ähnlich äußerte sich Zypries.

Gewalt in den Medien stärker einschränken?

Nachdem auf dem Computer des Amokläufers Tim K. das Gewaltspiel „Counterstrike“ gefunden worden war, begann ähnlich wie schon nach dem Amoklauf in Erfurt 2002 eine neue Debatte um Gewalt in den Medien. Für ein totales Verbot von Gewaltspielen sprach sich der Präsident der Deutschen Stiftung für Verbrechensbekämpfung, Hans-Dieter Schwind, aus. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der Professor für Kriminologie: „Dass der 17-Jährige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie Counterstrike oder Crysis lernen können.“ Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Schäuble gingen nicht soweit. Sie sprachen sich aber für eine stärkere Kontrolle aus.

Lehrer gegen schärfere Sicherheitskontrollen

Kontrovers wird über die Frage diskutiert, wie die Sicherheit an Schulen erhöht werden kann. Während sich die Gewerkschaft der Polizei für technische Sicherheitskontrollen ausprach, lehnten Lehrerverbände dies so wie Videoanlagen und Metalldetektoren kategorisch ab. Auch Politiker warnten parteiübergreifend davor, Schulen zu „Festungen“ auszubauen. Kinder sollten in einer Atmosphäre von „Freiheit, Offenheit, Geborgenheit“ aufwachsen, nicht in Hochsicherheitstrakten, sagte beispielsweise Schäuble. Man solle in dieser Diskussion „ein bisschen Vernunft walten lassen“. SPD-Innenexperte Sebastian Edathy hatte sich dagegen in der Zeitung „Die Welt“ dafür ausgesprochen, Metalldetektoren in Schulen einzusetzen, in denen bereits festgestellt wurde, dass Waffen im Umlauf sind.

Bessere Vorsorge angemahnt

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen mahnte an, Schulen verstärkt auf solche kritischen Situationen vorzubereiten und die Auslöser für Amokläufe besser zu untersuchen. Darüber hinaus regte von der Leyen „Erziehungs-Partnerschaften“ zwischen Schulen und Eltern an, um gemeinsam „solche schrecklichen Ereignisse im Vorfeld zu erkennen und abzuwenden“. Auch Forderungen nach mehr Psychologen an den Schulen wurden erhoben. Jedoch wurde von mehreren Seiten infrage gestellt, ob potenzielle Gewalttäter an Schulen tatsächlich entdeckt werden könnten. Schließlich habe es auch an der Albertville-Realschule einen Psychologen gegeben.

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