Bangen um US-Kapitän Phillips

Im Geiseldrama vor Somalia wächst nach der blutigen Erstürmung der französischen Jacht „Tanit“ die Sorge um den von Piraten gekidnappten US-Kapitän Richard Phillips. Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders CNN scheiterte eine Gruppe amerikanischer Marinesoldaten mit dem Versuch, den auf einem Rettungsboot gefangen gehaltenen Kapitän zu erreichen. Die Seeräuber hätten das Feuer eröffnet, woraufhin das Team wieder zum US- Kriegsschiff „USS Bainbridge“ zurückkehrt sei.

Die Geiselnehmer des amerikanischen Kapitäns hatten die beiden zur Hilfe geeilte US-Kriegsschiffe – die „USS Bainbridge“ und die Fregatte „USS Halyburton“ – gewarnt, ein gewaltsamer Befreiungsversuch werde katastrophale Folgen haben. Ein drittes Kriegsschiff, die „USS Boxer“ mit Hubschraubern und amphibischen Landungsschiffen an Bord, wird ebenfalls in der Region südlich des Horns von Afrika erwartet.

Verhandlungen angeblich abgebrochen

Laut „New York Times“ scheiterten Verhandlungen mit den Piraten. Eine Gruppe von Stammesältesten habe die Gespräche abgebrochen, als amerikanische Unterhändler auf der Festnahme der Seeräuber bestanden hätten, meldete die Zeitung unter Berufung auf somalische Quellen.

Phillips wird von vier Seeräubern rund 480 Kilometer vor der somalischen Küste gefangen gehalten. Ein Überfall auf sein Schiff, die „Maersk Alabama“, war am Mittwoch gescheitert, der Kapitän wurde aber als Geisel genommen. Am Samstag erreichte der Frachter den kenianischen Hafen Mombasa. Die Crew muss wegen der Ermittlungen vorerst an Bord bleiben.

Nach den Worten von Reederei-Chef John Reinhart konzentrieren sich alle Anstrengungen auf die Befreiung von Phillips. „Unsere erste und höchste Priorität ist es, den Kapitän nach Hause zu bringen“, sagte er in Norfolk. Dabei dürften keine Fehler passieren. „Die Ausführung muss perfekt sein.“

Unterdessen hatten Piraten mit gekaperten Schiffen Kurs auf das Rettungsboot genommen. Darunter war zunächst auch der deutsche Frachter „Hansa Stavanger“ mit fünf Deutschen und 19 weiteren Crewmitgliedern. Das Schiff war am 4. April überfallen worden.

Wegen der US-Militärpräsenz habe der Frachter aber wieder Kurs auf den somalischen Hafen Eyl genommen, wie unter anderem ARD-Korrespondent Marc Engelhardt berichtet. Die Piraten seien offenbar durch die Kriegsschiffe abgeschreckt worden.   

Berliner Krisenstab tagt

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin wollte sich zu den Angaben nicht äußern. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemühe sich weiterhin intensiv um eine Lösung des Falles, sagte sie.   

Rettungsboot ohne Benzin

Der US-Kapitän Phillips hatte am Freitag mit einem Hechtsprung von dem Rettungsboot fliehen wollen. Ein Seeräuber folgte ihm und zwang ihn zurück aufs Boot. Bei der Aktion feuerten die Geiselnehmer nach US-Angaben auch Schüsse ab.   

Den Seeräubern dürfte es nicht nur um Lösegeld, sondern vor allem um freies Geleit gehen. Das Boot treibt im Indischen Ozean, weil ihm das Benzin ausgegangen ist. Der Kapitän bot sich bei dem Überfall offenbar als Geisel an, um die Besatzung zu schützen. FBI-Experten sind in die Verhandlungen mit den Piraten eingeschaltet.

Deutsche Fregatte im Einsatz?

Bei der französischen Militäraktion gegen die Piraten soll nach Informationen der Website lepoint.fr auch die deutsche Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ im Einsatz gewesen sein. Das Marineschiff verfüge über gute Lazaretteinrichtungen, berichtete lepoint.fr. Bei der Befreiung der „Tanit“ am Karfreitag war der französische Skipper getötet worden. Vier andere Geiseln, darunter ein Kind, kamen frei.

Schlepper „Buccaneer“ gekapert

Somalische Piraten kaperten unterdessen im Golf von Aden den unter italienischer Flagge fahrenden US-Schlepper „Buccaneer“ (Freibeuter). Das 75-Meter-Schiff gehört nach italienischen Medienberichten dem Unternehmen Micoperi Marine Contractors in Ravenna. An Bord sollen 16 Mann Besatzung sein – zehn Italiener, fünf Rumänen und ein Kroate. Das Außenministerium in Rom sagte, es werde in dem Fall international abgestimmt vorgegangen. Der Schlepper war auf dem Weg von Singapur nach Suez. Die italienische Fregatte „Maestrale“ soll auf dem Weg in die Krisenregion sein.  

Derzeit befindet sich noch ein Dutzend Schiffe mit mehr als 220 Besatzungsmitgliedern in der Hand somalischer Piraten.  

Kompetenzgerangel zwischen Jung und Schäuble?

Die Bundesregierung hatte Medienberichten zufolge eine Befreiung der „Hansa Stavanger“ durch die Eliteeinheit GSG 9 erwogen. Nach Angaben des Magazins „Der Spiegel“ scheiterte die Aktion aber, weil die Seeräuber das Containerschiff der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg zu schnell in ihren Schlupfwinkel in der Bucht von Harardere an der somalischen Küste brachten. Laut „Focus“ kam es zudem zu einem Zuständigkeitsstreit zwischen Bundesinnenministerium und Verteidigungsministerium.

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