Prominente Oppositionelle vor Gericht

Im Iran gehen die Prozesse gegen Oppositionelle weiter. Am vierten Verhandlungstag des umstrittenen Prozesses wurden mehrere Gefolgsleute des reformorientierten Ex-Präsidenten Mohammed Chatami vernommen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur IRNA.

Unter den rund 20 erschienenen Angeklagten waren der ehemalige Vize-Innenminister Mostafa Tadschsadeh und Ex-Vize-Außenminister Mohsen Aminsaded. Chatami war von 1997 bis 2005 iranischer Präsident. Er unterstützt die Opposition, die Ahmadinedschad Betrug bei der Präsidentenwahl am 12. Juni vorwirft. Auch der Reformer Behsad Nabavi, Minister in der früheren Regierung von Ahmadinedschads Hauptwidersacher Mir-Hossein Mussawi, sowie der US-iranische Gelehrte Kian Tajbakhsh standen vor Gericht.

Angeklagter räumt angeblich Fehler ein

Der ebenfalls angeklagte Reformer Sajed Hadschjarian räumte laut der Nachrichtenagentur ISNA in einem schriftlichen Geständnis „schwere Fehler“ ein. Er distanzierte sich demnach von seinen früheren Schreiben und erklärte, seine Ideen „widersprechen dem Weg des Imams“, also des verstorbenen Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Chomeini. Hadschdscharian wird seit einem Mordanschlag auf ihn im Jahr 2000 als Held der Reformbewegung gefeiert. Er ist seitdem teilweise gelähmt und kann nur schwer sprechen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Anstachelung zu Unruhen, Kontakte zum britischen Geheimdienst und Beleidigung des geistlichen Staatsoberhaupts Ayatollah Ali Chamenei vor. Der gelähmte Angeklagte wurde IRNA zufolge von zwei Männern in den Gerichtssaal getragen, sein Geständnis wurde von einem Vertrauten verlesen.

Französin Reiss muss im Iran auf Urteil warten

Unter den Angeklagten ist auch die französische Sprachlehrerin Clotilde Reiss. Die 24-Jährige wird der Spionage bezichtigt. Sie soll sich an den Massenprotesten beteiligt und andere zur Teilnahme angestiftet zu haben. Mitte August war sie nach 45 Tagen Haft gegen Kaution aus dem berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran entlassen worden und wartet seitdem in der französischen Botschaft auf ihr Urteil.

Die Verhandlungen gegen sie und mehr als 100 Oppositionelle werden von der iranischen Opposition als Schauprozesse bezeichnet, auch in der internationalen Gemeinschaft stoßen sie auf massive Kritik. Bei den Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl Ahmadinedschads vom 12. Juni waren nach offiziellen Angaben etwa 30 Menschen ums Leben gekommen. Die Opposition spricht von 69 Todesopfern. Von den insgesamt rund 4000 Festgenommenen sind noch etwa 300 inhaftiert.

Original, Google Cache, archive.org

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