Explosive Stimmung in Südafrika

Südafrika kommt nach der Ermordung des rechtsextremen Farmers Terreblanche nicht zur Ruhe. Vor allem die Regierungspartei ANC sieht sich massiven Vorwürfen ausgesetzt. ANC-Politiker Malema hatte in einem Kampflied Gewalt gegen weiße Farmer besungen. Die Opposition läuft Sturm.

Von Jana Genth, ARD-Hörfunkstudio Johannesburg

Die zwei jungen Farmarbeiter, die Eugene Terreblanche brutal erschlagen haben, ahnten wohl nicht, was sie mit der Tat auslösen würden. Sie werden nun dem Haftrichter vorgeführt und die Diskussionen laufen auf Hochtouren.

Die Situation ist Grund genug für den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, in einer Fernsehansprache zu Besonnenheit aufzurufen. „Das hier ist einer der traurigen Momente für unser Land. Ich fordere die Nation auf, Ruhe zu bewahren. Das ist ein Moment, in dem wir alle einen kühlen Kopf behalten müssen.“

Lied animiert zur Ermordung von Buren

Die südafrikanische Öffentlichkeit redet schon jetzt nicht mehr darüber, dass Terreblanche ein Rassist war, ein Rechtsextremist und ein vorbestrafter Mann. Jetzt geht es nur noch darum, dass er ein weißer Farmer war und von seinen zwei schwarzen Angestellten ermordet wurde.

Die eigentlichen Übeltäter sind schon ausgemacht: die Regierungspartei ANC. Sie sieht sich massiven Vorwürfen ausgesetzt, vor allem der Chef der Jugendliga, Julius Malema. Denn er hatte im März öffentlich ein Kampflied angestimmt, in dem dazu aufgerufen wird, Buren zu töten, also die Nachfahren der ersten niederländischen Siedler am Kap.

„Zuma sollte sich von dem Lied distanzieren“

Für die Freunde von Terreblanche ist das eine klare Sache: „Nachdem das gesungen wurde, wird ein Farmer erschlagen. Irgendjemand muss das doch mal stoppen“, sagt ein Mann. „Malema sagte ‚Tötet die Farmer‘ und genau das ist geschehen.“ Eine Frau sagt: „Terreblanche war nicht, was alle glaubten. Er war ein hochreligiöser Mann und kein Rassist.“

Die Oppositionsparteien sehen das ähnlich: Auch für sie ist das Lied, das Malema gesungen hat, der Stein des Anstoßes. Beispielsweise Corné Mulder von der Freiheitsfront Plus: „Präsident Zuma und viele andere haben aufgerufen, jetzt Ruhe zu bewahren. Aber ich befürchte, dass diese explosive Situation nicht entschärft wird, solange Malema und der ANC den Song weiter singen.“

Auch Flip Buys von der Bürgerrechtsbewegung Solidarity ist erbost: „Herr Zuma sollte sich von dem schrecklichen Lied distanzieren, das dazu aufruft, weiße Afrikaner zu töten.“

„Keine Ahnung, wovon Sie reden“

Und Julius Malema selbst? Der Chef der ANC-Jugendorganisation ist gerade im Nachbarland Simbabwe unterwegs. Die Jugendliga der dortigen ZANU-PF hat ihn zu einer Studienreise eingeladen. Als Malema auf die Vorwürfe angesprochen wird, stellt er sich dumm. Er will aus der Diskussion herausgehalten werden: „Ich bin in Simbabwe. Keine Ahnung, wovon Sie reden. Die Jugendliga wird reagieren, ich muß auf Vorwürfe solcher Leute nicht eingehen.“

Die Politik der Rassentrennung ist Geschichte und doch wird die immer noch junge Demokratie in Südafrika nun auf die Probe gestellt. Grund genug auch für Erzbischof Desmond Tutu, noch einmal an das zu erinnern, wofür das Land gekämpft hat. „Wir versuchen doch, die Regenbogen-Nation zu werden“, so Tutu. „Und ich rufe alle Menschen in unserem Land auf: Versucht, Euch diesen Geist zu bewahren.“

Original, Google Cache, archive.org

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.