Haftbefehl gegen WikiLeaks-Gründer aufgehoben

Die Stockholmer Staatsanwaltschaft hat ihren Haftbefehl gegen den Gründer des Internetportals Wikileaks, Julian Assange, aufgehoben. Der Vergewaltigungs-Verdacht sei unbegründet.

Gegen den 38-jährigen Australier war zuvor ein Haftbefehl erlassen worden, weil sich zwei Frauen mit entsprechenden Angaben meldeten – allerdings, ohne selbst Anzeige gegen Assange zu erstatten. Wegen der Schwere der Vorwürfe ermittelten die Behörden aber trotzdem, der Haftbefehl wurde wegen Verdunklungsgefahr ausgestellt.

Assange war vor einer Woche zu einem Arbeitsbesuch nach Schweden gekommen. Es ist unklar, ob er noch im Land ist. Auch die Staatsanwaltschaft weiß das nach eigenen Angaben nicht.

Kurzporträt

Julian Assange – vom Hacker zum globalen Enthüllungsaktivisten
Bekannt wurden Julian Assange und die von ihm mitgegründete Online-Enthüllungsseite WikiLeaks im Jahr 2007: Damals veröffentlichten die Aktivisten Bordaufnahmen eines US-Hubschrauberangriffes im Irak. Der 39-jährige Australier – heute von Interpol gesucht – begann seine Karriere mit einem C64 – und hat nun große Ziele.

Assange: „Sind vor ’schmutzigen Tricks‘ gewarnt worden“

Assange hatte vor der Aufhebung des Haftbefehls an die größte schwedische Tageszeitung „Aftonbladet“ gemailt: „Natürlich sind die Anschuldigungen über Vergewaltigung unwahr.“ Dem Blatt „Dagens Nyheter“ mailte er: „Es ist eine interessante Frage, warum diese Vorwürfe jetzt auftauchen.“ Auf Twitter schrieb Assange: „Diese Vorwürfe entbehren jeder Grundlage, und dass sie zu diesem Zeitpunkt erhoben werden, ist zutiefst beunruhigend.“

Zu der für Schweden ungewöhnlichen Veröffentlichung seines Namens im Zusammenhang mit dem Vergewaltigungsverdacht schrieb er in einer weiteren Twitter-Mitteilung: „Wir sind vor ’schmutzigen Tricks‘ gewarnt worden. Jetzt erleben wir den ersten.“ Assange kündigte an, dass er mit der schwedischen Polizei Kontakt aufnehmen wolle.

Neues Geheimmaterial zum Afghanistan-Einsatz?

WikiLeaks-Chef Julian Assange bei einer Konferenz in Stockholm am 14./15. August 2010
Assange auf einer Konferenz in Stockholm am 14./15. August

Die Website WikiLeaks hatte in den vergangenen Wochen international Aufsehen mit der Veröffentlichung Zehntausender geheimer US-Unterlagen zum Afghanistan-Einsatz erregt. Erst am vergangenen Wochenende hatte Assange auf einer Konferenz in Stockholm angekündigt, „in einigen Wochen“ rund 15.000 weitere Afghanistan-Dokumente veröffentlichen zu wollen.

Die US-Regierung hatte WikiLeaks ausdrücklich davor gewarnt, weiteres Geheimmaterial über den Afghanistan-Krieg zu veröffentlichen: Das wäre „der Gipfel der Verantwortungslosigkeit“ und gefährde Menschenleben, erklärte das Verteidigungsministerium.

Unter dem Schutz von Schwedens Piraten

WikiLeaks selbst will mit der anonymen Veröffentlichung brisanter Geheimdokumente Skandale enthüllen und Missstände aufdecken. Weil die Gruppe deshalb in politischen Kreisen eher unbeliebt ist, fürchtet sie die Abschaltung ihrer Server.

Assange hatte bei seinem Besuch in Stockholm unter anderem eine Zusammenarbeit mit der schwedischen Piratenpartei vereinbart. Sie will Wikileaks kostenfrei Server zur Verfügung stellen.

Original, Google Cache, archive.org

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