Koma-Patient Scharon darf testweise nach Hause

Seit fast fünf Jahren liegt der frühere israelische Ministerpräsident Scharon im Koma. Er hatte mehrere Schlaganfälle erlitten. Nun wurde er testweise aus dem Krankenhaus auf seinen Bauernhof gebracht. Die Familie und die Landschaft würden besser für ihn sein als ein Krankenzimmer, sagen die Ärzte.

Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Am 21. November 2005 gibt Ariel Scharon seinen Austritt aus der Likud-Partei bekannt
Scharon wenige Monate vor seinem Schlaganfall.

Seit fast fünf Jahren liegt der frühere israelische Ministerpräsident Ariel Scharon im Koma, seit viereinhalb Jahren auf einer Rehabilitationsstation im Scheba-Krankenhaus in der Nähe von Tel Aviv. Heute Morgen wurde er nach Hause verlegt, auf seine Farm im Süden Israels, wenige Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt.

Der 82jährige Scharon liegt seit dem 4. Januar 2006 im Koma, nachdem er mehrere Schlaganfälle erlitten hatte. Seine Söhne Omri und Gilad besuchen ihn und kümmern sich um ihn. Die Ärzte hatten den beiden Söhnen schon vor zwei Jahren vorgeschlagen, den Vater aus dem Krankenhaus nach Hause zu verlegen. Erst jetzt lassen sie sich auf den Rat der Mediziner ein.

Einer von Scharons Ärzten, Professor Schlomo Noi vom Scheba-Krankenhaus, erklärte den Schritt im Armee-Rundfunk: „Heute, im Jahr 2010, sind wir in unserem Krankenhaus bemüht, dafür zu sorgen, dass jeder chronische Patient, wenn möglich, zu Hause bei seinen Angehörigen ist. Natürlich verbirgt sich dahinter die Absicht, dass sich sein Zustand verbessern wird. Die Frage, ob er gesund wird oder nicht, hat damit nichts zu tun.“

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Klinik begrüßt Entscheidung der Familie

In einer Erklärung des Krankenhauses heißt es, man begrüße die Entscheidung der Familie. Es sei besser für den Patienten, auf seiner Farm zu leben, umgeben von seinen Lieben und von der Landschaft, die er liebte, als in einem Zimmer im Krankenhaus.

Ariel Sharon beim Krankentransport zu seiner Farm
Eine grüne Plastikplane schützt vor den Kameraobjektiven – Ariel Sharon beim Krankentransport zu seiner Farm.

Der Zustand Scharons hat sich nicht verbessert. Nach Darstellung von Professor Noi zeigt Scharon, der mittlerweile im Wachkoma liegt, „minimale Reaktionen“. Dies sei aber kein Anzeichen dafür, dass er aus dem Koma erwachen könnte. „Darüber hinaus haben wir nur Hoffnung“, sagte Noi. An den Reaktionen sei zu bemerken, dass der Patient die Präsenz eines Menschen am Krankenbett spüre, sagte Schlomo Segev, ein anderer Arzt.

Der Koma-Patient Scharon liegt in einem Einzelzimmer. Eine Krankenschwester beobachtet ständig seinen Zustand. Wachmänner sitzen vor der Tür, Videokameras bewachen den Raum.

Knesset bewilligt Pflegesatz für Scharon

Der ehemalige Ministerpräsident Israels soll zunächst nur für zwei Tage zu Hause bleiben. Dann sollen weitere 48-stündige Aufenthalte auf der Farm folgen, bis Scharon schließlich ganz zu Hause bleiben kann. Die Ärzte wollen die Familie weiterhin bei der Pflege des Patienten beraten. Der Finanzausschuss der Knesset hatte in dieser Woche die jährlich erforderlichen 320.000 Euro für die Pflege Scharons bewilligt.

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