60 Tage Zeit für die Zukunft der Atomkraft

Die Bundesregierung strebt einen breiten Konsens für einen schnellen Atomausstieg an. Unterstützung für den neuen Kurs angesichts der Katastrophe im japanischen Fukushima erhofft sich Bundeskanzlerin Angela Merkel von der Ethikkommission, die am Nachmittag erstmals zusammenkam.

Das Atomkraftwerk Neckarwestheim
Block 1 ist bereits vom Netz: das Atomkraftwerk Neckarwestheim

Vor dem Treffen bekräftigte die Kanzlerin ihre Forderung nach einer „Energiewende mit Augenmaß“. Zu den wesentlichen Aspekten der künftigen Energieversorgung zähle neben der Sicherheit der Atomkraftwerke die Frage, wie es mit einer „möglichst kurzen Laufzeit“ der Kernkraftwerke gelingen könne, eine „in sich schlüssige Energiewende hin zum Zeitalter der erneuerbaren Energien“ zu ermöglichen, sagte Merkel in Berlin. Auch dürften mögliche Zielkonflikte etwa im Bereich des Klimaschutzes nicht ignoriert werden.

Der Vorsitzende der Kommission, der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer, vertrat die Ansicht, Deutschland könne rasch, aber nicht überstürzt aus der Atomenergie aussteigen. Der hiesige Industriestaat brauche eine stabile Stromversorgung. „Das sollten wir nicht gefährden, wenn wir nicht die soziale Stabilität unserer Gesellschaft infrage stellen wollen.“ Letztlich gehe es darum, eine Lösung zu finden, ohne den Wohlstand hierzulande zu gefährden.

Enger Zeitplan

Die von Merkel eingesetzte Ethikkommission zur Bewertung der Risiken der Atomkraft in Deutschland soll grundlegend klären, unter welchen Bedingungen die Nutzung der Kernenergie in Deutschland nach der Reaktorkatastrophe von Japan verantwortbar ist. In dem Gremium aus Persönlichkeiten von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirchen soll bis zum 27. Mai einen Bericht vorlegen. Für Mitte des Monats werden auch die Ergebnisse der Reaktorsicherheitskommission, die die Sicherheit aller 17 deutscher Kernkraftwerke überprüfen soll, erwartet. Die Empfehlungen beider Gremien sollen die Basis bilden für die Entscheidung der Bundesregierung, welche und wie viele Meiler dauerhaft stillgelegt werden müssten. Im Rahmen des dreimonatigen Moratoriums sind die sieben ältesten AKW und die Anlage Krümmel abgeschaltet.

Die Vorsitzende des Umweltausschusses, Eva Bulling-Schröter (Linke), hält die Kommission für überflüssig. „Die Fakten liegen auf dem Tisch, die gesellschaftlichen Mehrheiten sind auch klar. Was jetzt noch fehlt, ist ein Gesetz zum unverzüglichen Atomausstieg“, sagte Bulling-Schröter in Berlin. Die evangelische Kirche erwägt derweil einen Aufruf an alle Christen in Deutschland, auf Ökostrom umzusteigen. Eine solche Forderung werde derzeit geprüft, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, der“Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung“.

Hintergrund

Wie lange bleibt welches AKW am Netz?
In Deutschland erzeugen derzeit noch 17 Atomkraftwerke Strom. tagesschau.de gibt einen Überblick über die neuen von Schwarz-Gelb vereinbarten AKW-Restlaufzeiten. Sie dürften sich im Einzelfall sogar noch um einige Jahre nach hinten verschieben – je nach Drosselung der Produktion, Stillstand oder Übertragung der Reststrommengen.

Original, Google Cache, archive.org

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