Malta sagt Ja – zur Scheidung

Malta trennt sich vom Scheidungsverbot: Die Mehrheit der Einwohner der streng katholischen Mittelmeerinsel hat sich in einer Volksabstimmung für ein gesetzliches Scheidungsrecht ausgesprochen. Malta ist der einzige EU-Staat, in dem zerrüttete Ehen bislang nicht getrennt werden dürfen. Vor der Abstimmung trommelten Kirche und Regierung für die Beibehaltung des Verbots.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Das Votum für die Einführung der zivilen Scheidung fiel am Ende deutlicher aus als in den Umfragen vor dem Referendum erwartet worden war. Die Entscheidung ist nicht bindend, aber Ministerpräsident Lawrence Gonzi erklärte unmittelbar nachdem Ergebnis der Abstimmung feststand, er werde das Wählervotum respektieren – auch gegen seine persönliche Auffassung. Das Parlament werde ein entsprechendes Gesetz verabschieden.

Bisher gab es im streng katholischen Malta kein eigenes ziviles Scheidungsrecht. Nur wer sich im EU-Ausland scheiden ließ oder ein kirchenrechtliches Ehe-Annullierungsverfahren absolvierte, durfte noch einmal heiraten.

Vorbild Irland

Initiator des Referendums war ausgerechnet ein Abgeordneter der regierenden konservativen Nationalpartei. Jeffrey Pullicino Orlando lebt selbst in Scheidung und wünschte sich für Malta ein Gesetz, das sich am Vorbild Irlands orientiert und Scheidungen ermöglicht, wenn Beziehungen unwiderruflich zerbrochen sind.

Ein Brautpaar küsst sich.
Scheiden tut weh, muss aber manchmal sein – auch in Malta.

In Malta hatten nun die Wähler darüber zu befinden, ob eine Ehescheidung möglich sein soll, wenn Eheleute mindestens vier Jahre getrennt leben und eine Versöhnung ausgeschlossen ist. Am Referendum beteiligten sich rund drei Viertel aller Wahlberechtigten. Der Streit um die Einführung der Scheidung hatte den Inselstaat jahrelang tief gespalten. Zuletzt wurde der Ton immer rauer. Vor allem die katholische Kirche rief dazu auf mit Nein zu stimmen. Die Bischöfe sprachen in einem Brief an die Priester des Landes von irreparablen Konsequenzen für diejenigen, die für die Einführung der Scheidung stimmten.

In einem Rundschreiben, das die Kirche unmittelbar nach Schließung der Wahllokale verbreitete, entschuldigten sich die Bischöfe, sollten Mitglieder der Kirche in der Debatte jemanden verletzt haben. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung wolle man dabei helfen, junge Leute besser auf die Ehe vorzubereiten, und Paare besser beim Gelingen ihrer Ehe unterstützen.

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.