Bislang kein EHEC-Erreger auf Sprossen-Proben

Erste Labortests der Sprossen aus dem Betrieb im Kreis Uelzen haben keinen EHEC-Befund ergeben. Das teilte das niedersächsische Verbraucherministerium mit. Bislang seien 23 Proben untersucht worden. Alle waren den Angaben zufolge negativ. Die Tests seien aber noch nicht abgeschlossen. Insgesamt würden 40 Proben geprüft.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner riet weiter vom Verzehr von Sprossen ab. Obwohl bislang kein Erreger nachgewiesen worden sei, halte sie es für richtig, an dem Verzehrhinweis festzuhalten, sagte sie. Diese Empfehlung gelte, solange nicht alle Untersuchungen abgeschlossen seien und der Verdacht nicht vollständig ausgeschlossen sei. Auch auf den Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Salatblättern solle vor allem in Norddeutschland weiterhin verzichtet werden.

Verbindung vom Erzeuger zu praktisch allen Ausbruchsstellen

Das Unternehmen in Bienenbüttel war ins Visier der Ermittler geraten, weil von ihm aus Verbindungen zu fast allen Ausbruchsstellen der Infektionswelle hergestellt werden konnten. Von dort aus seien direkt oder über Zwischenhändler Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Niedersachsen beliefert worden, sagte Niedersachsens Verbraucherminister Gert Lindemann. Zudem sei eine Mitarbeiterin des Biohofs an EHEC erkrankt.

Liste der möglichen betroffenen Sprossen und Keime

Bei der Pressekonferenz in Hannover nannte Niedersachsens Verbraucherminister Lindemann am Sonntag namentlich folgende Sprossen, Keime und Sprossenprodukte: Adzukibohnenkeime, Alfalfa-Sprossen, Bockshornkleesprossen, Brokkoli-Sprossen, „Crunchy-Mix“, Erbsenkeime, Kichererbsenkeime, Knoblauchsprossen, Kressesprossen, Linsensprossen, „Milde Mischung“ (aus verschiedenen Keimsprossen: Bockshornklee, Mungobohnen, Linsen, Adzukibohne, Alfalfa), Mungobohnensprossen (in Deutschland landläufig als „Sojasprossen“ bekannt), Radieschensprossen, Rettichsprossen, Rotkohlsprossen, Sonnenblumenkeime, Weizenkeime, „Würzige Mischung“ und Zwiebelsprossen.

Allerdings sind sich die Behörden nicht sicher, ob der Betrieb die alleinige Quelle für die EHEC-Infektionen ist. Bei früheren Untersuchungen waren dort keine EHEC-Erreger gefunden worden. Auch das Hamburger Hygiene-Institut hatte in den vergangenen Wochen acht Sprossenproben untersucht, fünf davon aus Bienenbüttel. Alle Proben seien EHEC-frei gewesen, sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörde.

Sprossenmischungen meist für Salate

Der betroffene Gartenbaubetrieb verarbeitet nach Angaben des Ministeriums Saatgut aus Deutschland, anderen europäischen Ländern, aber auch aus Fernost zu Sprossenmischungen meist für Salate. Dabei wird das Saatgut in Trommeln mit Feuchtigkeit bei 37 Grad angezogen. Der EHEC-Erreger könne in dem verarbeiteten Saatgut enthalten gewesen sein, aber auch über das versprühte warme Wasser auf die Sprossen gelangt sein. Mehrere deutsche Handelsketten nahmen rohe Sprossen vorsichtshalber aus dem Sortiment.

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„Sicher ist das nicht, aber sehr plausibel“
Was Niedersachsens Verbraucherminister Lindemann verkündete, klingt sehr plausibel. Die EHEC-Bakterien könnten in den warmen Trommeln des Gartenbaubetriebs ideale Bedingungen vorgefunden haben. Ob sich das je beweisen lässt, ist aber offen.

Vor gut einer Woche hatten die Behörden vor Gurken aus Spanien als mögliche Quelle der EHEC-Infektionen gewarnt. Diese Spur stellte sich dann allerdings als falsch heraus. Zwar fanden sich an den Gurken EHEC-Bakterien, diese waren aber nicht mit dem Bakterien-Typ identisch, der für die aktuelle Infektionswelle verantwortlich ist. Trotzdem hielten auch die Behörden ihre Warnung aufrecht, möglichst keine rohen Tomaten, Gurken und Blattsalate zu essen.

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  • Suche nach EHEC-Infektionsquelle hält an
  • Länge: 0:01:29
  • Datum: 2011-06-06T20:06:00.000+02:00

Mehr als 20 Todesfälle in Deutschland

Die Zahl der Todesfälle durch EHEC ist unterdessen auf mehr als 20 gestiegen. Das berichtete RKI-Präsident Burger bei einem Besuch im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Bundesweit sind derzeit 1526 EHEC-Fälle bekannt, bei 627 Patienten wurde das gefährliche hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) diagnostiziert. Zahlreiche Patienten schwebten in Lebensgefahr.

Hintergrund: Sprossen

Sprossen sind keimende Samen von Pflanzen. Am bekanntesten sind Sojasprossen, bei denen es sich um die Sprossen der Mungobohne handelt. Die Keimlinge sind reich an Eiweiß und Vitaminen und werden gerne roh verzehrt. Allerdings sind Sprossen auch immer wieder Grund für lebensmittelbedingte Infektionen, weshalb Gesundheitsbehörden seit langem vor rohem Verzehr warnen. Vor allem bestimmte Risikogruppen – dazu gehören Kinder, Senioren, Schwangere und geschwächte Menschen – sollten Keimlinge nicht roh essen. Denn Sprossen können Träger von Krankmachern wie Salmonellen, Noroviren und eben auch EHEC sein.

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