Ägypten kritisiert EU-Importverbot

Ägyptische Bockshornkleesamen sollen schuld sein an der EHEC-Epidemie in Deutschland und Frankreich. Deshalb hat die EU den Import von Samen und Bohnen aus dem Land verboten. Der zuständige Behördenchef in Kairo bestreitet aber, dass Keime gefunden wurden, und kritisiert deshalb die EU.

Von Cornelia Wegerhoff, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Gekeimter Bockshornkleesamen im Labor
Gekeimter Bockshornkleesamen im Labor

Er ist bemüht, seinen Ärger nicht durchklingen zu lassen: Ali Suliman, der Direktor der für Pflanzenhygiene zuständigen Agrarbehörde in Kairo. Seit Tagen lässt er in seinen Labors die unter EHEC-Verdacht stehenden ägyptischen Bockshornkleesamen testen. Die gefährlichen Darmkeime seien dabei nicht gefunden worden, so der Behördenchef.

Die strikte Entscheidung der Europäischen Union für ein sofortiges Verkaufs- und Importverbot von Samen und Bohnen aus Ägypten kann er deshalb nicht nachvollziehen. Die Entscheidung beruhe nicht auf wissenschaftlichen Fakten, sondern nur auf einem Verdacht. Die Europäische Union sage: Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Und das sei nicht korrekt.

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Bisher offenbar keine dokumentierten Fälle in Ägypten

Schon vor einer Woche hätten sich die europäischen Behörden mit den ägyptischen in Verbindung gesetzt, berichtet Suliman. Jedem Verdacht müsse nachgegangen werden, das sei doch selbstverständlich bei einer lebensgefährlichen Epidemie. Aber Ägypten könne nicht die Quelle dieser Epidemie sein. „Wir sind bislang EHEC-frei. Es gab bisher keinerlei dokumentierte Fälle in Ägypten mit diesem Darmkeim.“

Die unter EHEC-Verdacht stehenden Chargen des Bockshornklees,  Lieferung von insgesamt 15 Tonnen in den Jahren 2009 und 2010,  seien außerdem gleich durch mehrere europäische Kontrollen gegangen.

Warum wurde bei der Einfuhr nichts gefunden?

Ägyptische Bockshornkleesamen im trockenen Zustand
Ägyptische Bockshornkleesamen im trockenen Zustand

„Es ist nicht logisch, dass die Samen damals bei der Einfuhr durch vier verschiedene nationale Hygieneuntersuchungen gegangen sind und man gar nichts festgestellt hat. Diese Samen werden trocken aus Ägypten exportiert. Vielleicht wurden sie ja bei der Sprossenaufzucht mit EHEC kontaminiert?“

Der ägyptische Landwirtschaftsminister wolle sich nun mit Vertretern der Europäischen Union treffen, so Suliman. Das mehrmonatige Importverbot habe schließlich ernste wirtschaftliche Konsequenzen. Nach den politischen Unruhen in Ägypten hatten die Bauern am Nil bereits im Inland unter schweren Markteinbrüchen zu leiden.

Importverbot trifft Bauern hart

Auch Christoph Floride macht das europäische Importverbot Sorgen. Der Deutsche ist bei dem ägyptischen Agrarunternehmen Sekem verantwortlich für den biologischen Anbau von Kräutern, Gewürzen und Bockshornkleesamen.

Durch den Rückgang beim Tourismus in Folge der ägyptischen Revolution sei der lokale Markt für viele Firmen eingebrochen, betont Floride. „Das sind ja die ganzen Hotels, die das alles abnehmen, auch Nahrungsmittel. Da hat man sich natürlich erhofft, durch den Export einiges auszugleichen. Wenn jetzt auch Ölsaaten und Hülsenfrüchte betroffen sind, dann ist das für die wirtschaftliche Situation gerade in diesen Zeiten noch mal ein schwerer Schlag. Leider haben ägyptische Bauern nicht diese Hilfe, die europäische Bauern haben.“

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