Lebenslang für neun Ex-Wehrmachtssoldaten

In einem der letzten großen Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher sind in Italien neun ehemalige Wehrmachtssoldaten zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer im Jahr 1944 an Massakern in Norditalien beteiligt waren.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Italienische Gerichte versuchen weiter, Verbrechen der Wehrmacht aus der Zeit der deutschen Besatzung aufzuarbeiten: Das Militärgericht in Verona verhängte gegen neun ehemalige Angehörige der Fallschirm-Panzerdivision „Hermann Göring“ lebenslange Haftstrafen.

Die Verurteilten sind um die 90 Jahre alt und haben den Prozess nicht persönlich verfolgt. Das Gericht in Verona sieht es als erwiesen an, dass die Wehrmachtssoldaten an Massakern an der italienischen Zivilbevölkerung beteiligt waren. Im März 1944 hatte die Wehrmacht unter dem Vorwand, Partisanen zu bekämpfen, ganze Dörfer im Apennin zwischen Florenz und Modena ausgelöscht und Bewohner wahllos umgebracht. 350 Menschen sollen dem grausamen Wüten zum Opfer gefallen sein.

Angehörige reagierten mit Genugtuung

Deren Angehörige nahmen den Schuldspruch mit Genugtuung zur Kenntnis. Dieses Urteil gebe nach 67 Jahren seiner Gemeinde wieder ihren Frieden zurück, sagte ein Bürgermeister. Ein anderer Vertreter der Opfer sprach von einer „offenen Wunde“, weil es immer noch Überlebende des Massakers gebe.

Die italienischen Behörden wurden bei ihren Ermittlungen von Dortmunder Staatsanwälten und dem Landeskriminalamt in Düsseldorf unterstützt. Eine  Auslieferung der Angeklagten nach Italien lehnte die Bundesrepublik Deutschland jedoch ab. Auch weigert sich Deutschland die von italienischen Gerichten immer wieder auferlegten  Entschädigungszahlungen zu leisten und beruft sich dafür auf die Staatenimmunität.

Schleppende juristische Aufarbeitung

Der Prozess vor dem Militärgericht in Verona war einer der letzten großen Prozesse zu den Verbrechen der Wehrmacht. In Italien hat man sehr spät mit der juristischen Aufarbeitung der deutschen Besatzungszeit begonnen. Erst durch das Verfahren gegen den SS-Offizier Erich Priebke wurden 1994 weitere Prozesse angestoßen. Auch Priebke wurde wegen seiner Beteiligung an einem Massaker zu lebenslanger Haft verurteilt, die er heute in Rom im Hausarrest verbüßt.

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.