Evangelischer Kirche geht begrenzte PID zu weit

Kritik, aber auch Anerkennung hat die Entscheidung des Bundestages über die begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) bei der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland ausgelöst.

Der Evangelischen Kirche geht die Zulassung zu weit. EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider sagte, er hätte es vorgezogen, die PID nur bei großer Wahrscheinlichkeit einer Tot- oder Fehlgeburt zuzulassen. Schneider würdigte aber, dass es nun Rechtssicherheit gebe. Zudem stellte er fest, dass Fortpflanzungsmedizin in Deutschland mit großem Verantwortungsbewusstsein betrieben werde. Die politische Entscheidung sei auch mit großem Ernst vorbereitet worden.

Erzbischof Robert Zollitsch
Erzbischof Zollitsch dringt darauf, die PID nur begrenzt einzusetzen.

Die Deutsche Bischofskonferenz bedauerte die Zulassung der PID. Umso mehr werde man nun darauf dringen, die PID tatsächlich nur eng begrenzt anzuwenden, erklärte der Vorsitzende Robert Zollitsch. Eine willkürliche Anwendung und Ausdehnung müsse ausgeschlossen werden. Die katholischen Bischöfe hatten sich für ein klares Verbot der PID eingesetzt. Zwar verstehe man den Wunsch von Eltern nach einem gesunden Kind, erklärte Zollitsch weiter, fügte aber hinzu: „Die Selektion von menschlichen Embryonen verstößt gegen das Achtungsgebot der Menschenwürde, die jedem Menschen von Anbeginn zuteil ist.“

Dokumentation aller PID-Fälle gefordert

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe erklärte ihrerseits, dass viele Menschen mit Behinderungen diese Entscheidung als diskriminierend empfinden müssten. Es sei zu befürchten, dass die PID künftig bei vielen Paaren angewandt werde und Behinderung als vermeidbar erscheinen lasse, erklärte der Verband zur Hilfe für Menschen mit geistiger Behinderung. Das Verfahren dürfe nicht zum Standard in der Reproduktionsmedizin werden. Alle PID-Fälle müssten deshalb dokumentiert werden.

Original, Google Cache, archive.org

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