PID-Entscheidung ist nicht konsequent

Von Bettina Freitag, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Das war eine schwere Entscheidung, und niemand hat sie sich leicht gemacht. Aber der Ausgang ist nicht gut. Nein, natürlich sind wir auch mit PID nicht auf dem Weg in eine planbare Zukunft, in der designte Muster-Babys in glücklichen Familien die Norm sind. Wer so etwas behauptet, der diffamiert Frauen, die die körperlich und seelisch belastende Prozedur einer künstlichen Befruchtung mit anschließender PID auf sich nehmen, weil sie in Not sind. Niemand wünscht sich ein krankes Kind. Jede werdende Mutter hofft, dass ihr Baby gesund ist. Aber das bleibt auch jetzt noch nur eine Hoffnung. Mehr nicht. Daran ändert die Entscheidung des Bundestages nichts.

Die gesetzliche Ausnahmeregelung

PID ist weiterhin verboten. Es gibt nun aber Ausnahmen. Und damit beginnen die Probleme erst recht. Für Paare, die ihre letzte Chance auf ein gesundes Kind darin sehen. Darin, dass die künstlich befruchtete Eizelle der Mutter schon in der Petrischale untersucht wird. Und für die Ärzte, die diesen Paaren helfen möchten.

Denn die Abgeordneten haben nicht genau beschreiben können, wann eine Ausnahme gemacht werden darf. Im Gesetz steht nun: Wenn das Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Erbkrankheit bekommen könnte. Oder wenn die Schwangerschaft wegen eines Gen-Defekts wohl mit einer Fehlgeburt enden würde. Aber was ist eine Erbkrankheit? Und wie hoch muss die Wahrscheinlichkeit sein?

Was gilt als Ausnahme und wer entscheidet darüber?

Darüber soll eine Ethikkommission entscheiden, in jedem Einzelfall. Braucht sie dafür einen Katalog mit Krankheiten, die zugelassen sind? Und gehört dann auch genetisch bedingter Brustkrebs auf diese Liste? Oder nur Krankheiten, die nicht behandelbar sind? Und wenn sie heute nicht behandelbar sind, werden sie es vielleicht später sein. Oder stellen wir für diese Krankheiten die medizinische Forschung ein? Weil sie dank PID so selten geworden sind, dass die Pharmaindustrie kein Interesse mehr daran hat? So viele Fragen, so wenig Antworten. PID – so wie sie jetzt in Deutschland möglich ist – kann eine letzte Chance sein. Sicherheit bietet sie nicht. Ein Verbot wäre da konsequenter gewesen.

Original, Google Cache, archive.org

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