Per Anhalter zur Internationalen Raumstation ISS

Was kommt nach dem US-Shuttle-Programm? Die Antwort darauf hat mit politischem Willen und viel Geld zu tun. Da angesichts leerer Kassen auch bei Prestige-Pprojekten gespart wird, bleibt den Amerikanern nur die Hoffnung auf eine rosige Raumfahrt-Zukunft. Bis dahin müssen sie zusteigen.

Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio New York


Die „Discovery“ hat ihren letzten Flug bereits hinter sich.

Eine freundliche NASA-Mitarbeiterin begrüßt Besucher im „Kennedy Space Center“, auch den elfjährigen Alexander. Er kommt regelmäßig hierher und guckt sich mit großen Augen die Errungenschaften der NASA an: wie die Saturn 5-Rakete, die die Apollo-Kapsel vor mehr als 40 Jahren zum Mond gebracht hat, die Nachbildung eines Space Shuttle.

Für Alexander, der ursprünglich aus Mülheim an der Ruhr kommt und dessen Vater hier in Florida arbeitet, steht sein Berufswunsch fest – Astronaut: „Ich würde auch gern auf dem Mars landen. Aber sie müssten erst ein neues Programm dafür schaffen.“ Dem Jungen ist klar, dass er lange zum roten Planeten unterwegs wäre. „Ich weiß, es dauert sieben Monate, um dahin zu kommen.“

Sieben Monate, manche sagen auch sechs. Zum Vergleich: Es dauert zwei Tage, mit dem Shuttle zur Internationalen Raumstation zu fliegen. Nach mehr als 30 Jahren in gerade mal 400 Kilometern Höhe über der Erdoberfläche wollen die USA nun endlich wieder ins tiefe Weltall. Präsident Barack Obama: „Um das Jahr 2035 sollen Menschen zum Mars und wieder zurück zur Erde. Eine Landung auf dem Mars wird folgen, und ich werde dabei zusehen.“

„Wir haben versagt“

Das klingt entschlossen, aber sehr viel mehr als eine Ankündigung ist das noch nicht. Obamas Vorgänger George W. Bush hatte im Jahr 2004 das „Constellation-Programm“ verkündet: zunächst zurück zum Mond und dann zum Mars. Dieses Vorhaben hat Obama inzwischen gekippt. Das „Constellation-Programm“ war hoffnungslos unterfinanziert. Ob Präsident Obama beim US-Kongress mehr Geld für seine Mars-Mission locker machen kann, ist offen.

John Logdson ist mit dem, was er bisher gesehen hat, nicht zufrieden. Logdson ist einer der Raumfahrtexperten in den USA: „Wir haben versagt, weil wir nicht die nötigen Investitionen gemacht haben, um an der Spitze zu bleiben.“


Internationale Raumstation: Hierhin geht es für die US-Astronauten nur noch per Anhalter.

Start der Sojus-Rakete
Zusteigen können sie bei den Russen: Die Sojus-Rakete wird weiterfliegen.

Wenn das Space Shuttle Atlantis zu seinem allerletzten Flug startet, dann wird Logsdon zwar etwas melancholisch sein, aber vor allem auch froh: „Ich denke, das ist überfällig, weil das Shuttle uns auf die Erdumlaufbahn beschränkt hat. Solange wir für das Shuttle bezahlen mussten, konnten wir wirklich nichts anderes machen.“

USA: Vorübergehend keine Raumfahrtnation mehr

Private US-Unternehmen entwickeln gerade ein Nachfolge-Raumschiff, das in vier bis fünf Jahren NASA-Astronauten zur ISS bringen soll. So richtig Raumfahrtexperte Logsdon das auch findet, so unangenehm ist ihm der Gedanke, dass die USA derweil auf die Russen und ihre Sojus-Kapseln angewiesen sind: „Das ist beschämend. Für ein Land, das vorgibt, die führende Nation im All zu sein und über kein eigenes Transportmittel zu verfügen, ist das eine Peinlichkeit.“

Zum Glück hat sich der elfjährige Alexander nicht festgelegt, mit wem er eigentlich zum Mars fliegen will – mit den Russen, den Chinesen oder mit den Amerikanern, die zumindest vorübergehend keine Raumfahrtnation mehr sind.

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