US-Behörden warnen vor implantierten Bomben

Die US-Sicherheitsbehörden warnen vor einer neuer Form des Terrorismus: Es gebe Hinweise, dass nun auch sogenannte Körperbomben zum Einsatz kommen könnten. Die in einen Menschen implantierten Sprengsätze könnten auch durch neue Sicherheitsüberprüfungen nicht aufgespürt werden.

Von Sabine Müller, HR-Hörfunkstudio Washington

Die Angst davor, dass Terroristen Körperbomben einsetzen, ist nicht neu. 2009 verübte Al Kaida einen Anschlag auf den saudi-arabischen Anti-Terrorchef: Der Attentäter starb, als die Bombe seinen Unterleib zerfetzte, der Minister wurde verletzt. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob die Bombe im Darm des Attentäters versteckt war oder vielleicht doch in seiner Unterhose. Planer und Drahtzieher dieses Anschlags soll Ibrahim Asiri gewesen sein, gesuchter Al-Kaida-Top-Terrorist und Bombenbauer, der auch den Unterhosenbomber von Detroit und den Paketbomben in FedEx-Frachtflugzeugen ausgerüstet haben soll.

Nacktscanner an US-Flughafen
Körperbomben können selbst mit modernen „Nacktscannern“ nicht aufgespürt werden.

Seit einigen Monaten beobachten internationale Geheimdienste, dass Terrorverdächtige im Internet zunehmend über den Einsatz von Körperbomben diskutieren und darüber, Ärzte anzuheuern, die diese implantieren könnten. Offensichtlich gibt es also verstärktes Interesse daran, solche Bomben einzusetzen. „Wir nehmen diese Informationen ernst“, sagt John Pistole, der Chef der US-Verkehrssicherheitsbehörde (TSA). „Deshalb haben wir unsere ausländischen Kollegen und Fluggesellschaften vorsichtshalber informiert.“ Aber, das betont die TSA, es gebe keine akute oder spezifische Bedrohung.

Selbst modernste Technik überfordert

Der frühere israelische Flugsicherheitschef Ravi Ron sagt im CNN-Interview, er halte die Gefahr einer Körperbombenattacke für sehr real: „Wir haben die uns zur Verfügung stehende Technologie zum Aufspüren von Bomben ausgeschöpft. Wir können aber nicht entdecken, wenn ein Mensch eine Bombe im Körper trägt.“

Denn die sogenannten „Nacktscanner“, die seit einiger Zeit auf Flughäfen eingesetzt werden, können zwar die Körperkonturen unter der Kleidung sichtbar machen und Prothesen oder Brustimplantate sowie am Körper angebrachte Bomben. Sie können aber keine Bomben im Körper aufspüren.

USA-Reisende müssen sich auf mehr Kontrollen einstellen

Scanner am Flughafen Washington
Die Kontrollen an US-Flughäfen sollen nun offenbar verschärft werden.

„Wir müssen den Terroristen einen Schritt voraus sein und dürfen ihnen nicht erlauben, einen solchen Anschlag durchzuführen“, fordert Peter King, der Chef des Heimatschutzausschusses im Repräsentantenhaus, auf FoxNews. Die Frage ist nur: Wie macht man das? Vermutlich wird mehr Sicherheitspersonal eingesetzt, das Passagiere auf verdächtiges Verhalten hin beobachtet. Es könnte zudem mehr Spürhunde geben, um Sprengstoffpartikel zu entdecken oder eine systematische Untersuchung jedes Passagiers mit Wattestäbchen, um Sprengstoffreste zu finden.

Für Reisende heißt das, dass sie sich vor allem auf Flügen in die USA auf schärfere und langwierigere Kontrollen einstellen müssen. Der Abgeordnete Peter King fordert Verständnis von den Passagieren: „Das ist kein Spiel und keine Panikmache, sondern real und wir müssen zusammenarbeiten.“

Experten warnen vor übertriebener Furcht

Manche US-Experten warnen allerdings davor, die Gefahr durch Körperbomben zu überschätzen. Sie glauben, dass solche Bomben wahrscheinlich nicht genug Sprengkraft hätten, um ein Flugzeug abstürzen zu lassen. Sie halten es für wahrscheinlicher, dass sie benutzt werden könnten, um gezielt Einzelpersonen zu ermorden, zum Beispiel amerikanische Spitzenpolitiker. Der Attentäter müsste nur nah genug an die Person herankommen und dann die Bombe zünden.

Original, Google Cache, archive.org

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