Erneut Festnahmen und Gewalt in Weißrussland

Dutzende friedliche Demonstranten sind bei erneuten Protesten gegen den weißrussischen Staatschef Alexander Lukaschenko von Polizisten verprügelt und festgenommen worden.

Passanten in Minsk werden kontrolliert
Die Staatsmacht ist allgegenwärtig: In Zivil gekleidete Männer fordern die Menschen auf, Straßen und Plätze zu räumen.

In Minsk und zehn weiteren Städten gingen nach Angaben von unabhängigen Nachrichtenagenturen und Menschenrechtsgruppen mehrere Tausend Menschen auf die Straße. Etwa 100 von ihnen seien festgenommen worden, darunter mindestens fünf Journalisten, erklärte die Menschenrechtsgruppe Wesna.

Vor einem Eislaufstadion in der Hauptstadt ging die Polizei gegen mehrere Dutzend Demonstranten vor und brachte sie in Bussen weg. Polizisten in Zivil hatten eine Gruppe Jugendlicher zu Boden gestoßen, in Gesicht und Oberkörper getreten und in einem Bus ohne Nummernschild weggebracht, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtete. Es habe mindestens 30 Festnahmen gegeben.

In der 300 Kilometer von Minsk entfernten Stadt Grodno versammelten sich Wesna zufolge etwa 500 Demonstranten. Schon nach mehreren Minuten habe die Polizei den Protest beendet und Dutzende Menschen zusammengetrieben, sagte Sprecher Walentin Stefanowitsch.

Wöchentliche Aufrufe zu Protesten

In Weißrussland finden zurzeit wöchentlich über Online-Netzwerke organisierte Massenproteste gegen den autoritär regierenden Lukaschenko statt. Dabei protestieren die Regierungsgegner mit Händeklatschen statt mit Sprechchören. Erst am Wochenende hatte die Polizei etwa 400 Demonstranten festgenommen und dabei auch Tränengas und Schlagstöcke eingesetzt.

Das Land hat mit der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zerfall der Sowjetunion zu kämpfen und ist wegen wirtschaftlicher Sanktionen der EU und der USA weitgehend isoliert.

Inhaftierte Oppositionelle in Weißrussland
Inhaftierte Oppositionelle in Minsk strecken die Finger zum Siegeszeichen „Victory“.

Original, Google Cache, archive.org

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