Israel setzt Palästina-Aktivisten auf schwarze Liste

Israel hat Hunderte pro-palästinensische Aktivisten daran gehindert, mit dem Flugzeug einzureisen. Damit wollten die Behörden anti-israelische Proteste der Aktion „Willkommen in Palästina“ verhindern. Am Flughafen Tel Aviv kontrollierte ein Großaufgebot der Polizei die Flugreisenden – mehrere Dutzend sollen nun abgeschoben werden. Unter ihnen ist auch ein Deutscher.

Von Tim Aßmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Polizeistreife auf Israels Flughafen Ben Gurion
Auf dem Flughafen Ben Gurion sind in allen Bereichen zusätzliche Polizeistreifen im Einsatz.

Es ist, um in der Region zu bleiben, eine „David gegen Goliath“-Geschichte, nur mit vertauschten Rollen und anderem Ausgang. Die Rolle des Goliath spielen Hunderte Polizisten und Geheimdienstleute, die am und um Tel Avivs Ben-Gurion-Flughafen ausgeschwärmt sind, um pro-palästinensische Aktivisten – sie geben den David – zu enttarnen.

In der Nacht waren die Sicherheitskräfte bereits erfolgreich: Zwei Frauen aus den USA wurden an der Passkontrolle als Teilnehmer der Aktion „Willkommen in Palästina“ ausgemacht und entsprechend der Ankündigung der israelischen Behörden zurückgeschickt. Die US-Amerikanerinnen hatten es den Sicherheitskräften aber auch leicht gemacht: Sie trugen T-Shirts mit dem Aufdruck der aktuellen Gaza-Hilfsflottille.

Leidet die Regierung an Verfolgungswahn?

Die Sicherheitsbehörden wollen mit dem Ausnahmezustand am Flughafen verhindern, dass mehrere hundert Aktivisten aus aller Welt dort anti-israelische Proteste durchführen. Einige israelische Medien werfen der eigenen Regierung allerdings weiter vor, an Verfolgungswahn zu leiden und zu übertreiben.

Stimmt nicht, erklärt Premier Benjamin Netanjahu: „Es gibt keine Hysterie. Es besteht die Entschlossenheit, mit diesen Provokationen umzugehen und Ausschreitungen in der Öffentlichkeit zu verhindern.“ Jedes Land besitze das souveräne Recht, ein Eindringen von Provokateuren in sein Gebiet zu verhindern – „und wir machen davon Gebrauch“, so Netanjahu.

Fluggesellschaften wurden Schwierigkeiten angekündigt

Das Polizei-Großaufgebot hatte bisher wenig zu tun, denn die meisten der Aktivisten auf die man wartete, konnten gar nicht kommen. Israels Behörden hatten den Fluggesellschaften vorher eine Liste mit rund 340 Namen von Aktivisten übergeben und mitgeteilt, diesen Leuten werde die Einreise verweigert.

Den Airlines wurde signalisiert, dass sie mit erheblichen Behinderungen rechnen müssten, falls sie die betreffenden Passagiere einfliegen. Zudem seien sie dann auch für deren sofortigen Rücktransport zuständig. Mehreren Hundert Menschen wurde daraufhin der Flug nach Tel Aviv verweigert.

Sendungsbild
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  • Richard C. Schneider (ARD) über die Situation am Flughafen Tel Aviv
  • Länge: 0:01:41
  • Datum: 2011-07-08T12:18:00.000+02:00

„Aktivisten aus aller Welt kommen die ganze Zeit“

Die Aktivisten hätten eigentlich eine Woche im vom Israel besetzten Westjordanland verbringen wollen. Man habe völlig friedliche Absichten und weise die Vorwürfe der israelischen Seite zurück, erklärten die Organisatoren der Aktion. Sprecher Mazin Qumsiyeh: „Palästinensische Organisationen haben unter dem Motto ‚Willkommen in Palästina‘ unter anderem Europäer, Amerikaner und Japaner eingeladen, sich mit uns, die wir in Besatzung leben, zu solidarisieren. Das Programm beinhaltet Besuche der Sperrmauer, von Siedlungen und auch Flüchtlingslagern. Das ist kein neues Programm und Aktivisten aus aller Welt kommen die ganze Zeit zu uns.“

Behinderungen am Flughafen Charles de Gaulle

Am Pariser Flughafen Charles de Gaulle kam es zu erheblichen Behinderungen im Flugplan, als abgewiesene Aktivisten Lufthansa-Schalter blockierten. Am Tel Aviver Flughafen ist die Lage entspannter, als von den Behörden befürchtet.

Die Meinung der israelischen Fluggäste über die Sicherheitsmaßnahmen ist gespalten. „Wir müssen uns vor diesen Leuten nicht fürchten, denn sie sind unbewaffnet. Sie  kommen her und reden – und wir müssen ihre Ansicht nicht teilen“, sagt ein Fluggast. Ein anderer wird heftiger: „Wir sind ein Staat, der sich wegen ein paar Idioten, die sich wichtig machen, nicht in Panik versetzen lassen sollte.“ Und eine weitere Stimme sieht keinen Grund für die Anwesenheit der Aktivisten: „Sie sollen zurückgehen. Sie haben hier nichts verloren.“

Auf die Fluggäste übrigens, die in der Nacht problemlos einreisen konnten, wartete in der Ankunftshalle eine Überraschung. Das israelische Tourismusministerium ließ Blumen verschenken – unter dem Motto: Willkommen in Israel.

Karte: Israel

Original, Google Cache, archive.org

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