Dutzende pro-palästinensische Aktivisten festgesetzt

Wegen der geplanten Aktion „Willkommen in Palästina“ pro-palästinensischer Aktivisten hat Israels Polizei am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv Dutzende Menschen festgesetzt. Unter ihnen befindet sich mindestens ein Deutscher, wie der Sprecher der israelischen Polizei, Mickey Rosenfeld, mitteilte. Insgesamt wurden laut Grenzschutzbehörden mehr als 60 Menschen festgesetzt, von denen mindestens 25 – darunter der Deutsche – in ihre Heimatländer abgeschoben werden sollen.

Nach Angaben der Grenzschützer wurden in Tel Aviv zwei Maschinen aus dem schweizerischen Genf und der italienischen Hauptstadt Rom zu einem schwach frequentierten Terminal umgeleitet und untersucht. Insgesamt seien 310 Passagiere kontrolliert worden. Die daraufhin festgesetzten Passagiere sollten allesamt ausgewiesen werden, hieß es.

Einreise „nach Palästina und nicht nach Israel“


Pro-palästinensische Aktivisten der Aktion „Willkommen in Palästina“ demonstrieren im Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv.

Eine Belgierin, die aus Rom in Tel Aviv ankam, sagte in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP, aus ihrer Maschine seien etwa 30 Aktivisten festgenommen und rund zwei Stunden lang verhört worden. Auch sei ihnen gesagt worden, dass sie wieder ausreisen müssten. Die Aktivistin lehnte dies jedoch ab. Sie wolle „nach Palästina und nicht nach Israel“ reisen, sagte sie.

Den Organisatoren zufolge wollten ursprünglich etwa 600 Aktivisten über Israel in die Palästinensergebiete reisen, darunter 300 Franzosen sowie Teilnehmer aus Deutschland, Belgien, Großbritannien, den USA und Italien. Die Aktion sollte an den 9. Juli 2004 erinnern, als der Internationale Strafgerichtshof (IGH) die im Westjordanland errichtete Sperranlage für illegal erklärt hatte.

Schwarze Liste mit Namen an die Fluggesellschaften

Die israelischen Behörden ließen den internationalen Fluggesellschaften zuvor jedoch eine schwarze Liste mit den Namen von 342 „unerwünschten Personen“ zukommen. Daraufhin durften mehr als 230 Männer und Frauen in Paris, Genf und Berlin offiziellen Angaben aus Tel Aviv zufolge nicht an Bord ihrer Maschinen gehen. Auf den Flughäfen in Paris wurden rund 200, in Genf rund 30 Fluggäste nicht abgefertigt, woraufhin es zu Protesten kam. In Deutschland soll es nach Angaben der Aktivisten einen Fall in Berlin gegeben haben. Die Lufthansa wollte das weder bestätigen noch dementieren. Allerdings sagte ein Sprecher: „Es besteht eine Verpflichtung, den Einreisegesetzen und behördlichen Anordnungen der Zielstaaten Folge zu leisten.“

In der Ankunftshalle des Flughafens Ben Gurion von Tel Aviv nahm die Polizei nach Angaben eines Sprechers zudem sechs israelische Aktivisten aus dem linken Spektrum fest, die dort demonstrieren wollten. An dem Flughafen und in der Umgebung hatte Israel ein massives Polizeiaufgebot mobilisiert. Laut einem Polizeisprecher waren mehr als 500 Polizisten und Grenzschützer im Einsatz.

Pro-palästinensischer Israeli auf einer kleinen Demonstration auf dem israelischen Flughafen Ben Gurion International Airport
Pro-palästinensische Israelis protestierten im Flughafen…

Pro-palästinensische Aktivisten vor den Regierungsgebäuden in Tel Aviv
…und vor Regierungsgebäuden in Tel Aviv.

Netanjahu sprach von „Provokateuren“

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte zuvor erklärt, jedes Land habe das Recht, „Provokateuren“ die Einreise zu verweigern. Eine Sprecherin der Aktivisten kritisierte hingegen, Israel behaupte „ohne jede Grundlage, dass diese Personen die öffentliche Ordnung stören und die Konfrontation mit den Sicherheitskräften suchen“.

Die Aktion wurde unabhängig von der internationalen Gaza-Hilfsflotte organisiert, die von griechischen Behörden in dortigen Häfen aufgehalten wird.

Karte: Israel

Original, Google Cache, archive.org

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