Italiens Börsenaufsicht knöpft sich Moody’s vor

Die großen Ratingagenturen treiben die Politik normalerweise vor sich her. Italien versucht nun den Spieß umzudrehen. Weil Moody’s gedroht hatte das Land herabzustufen, müssen Vertreter der Agentur heute der italienischen Börsenaufsicht diese Einschätzung belegen und begründen.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Italien fühlt sich schon seit Längerem von den großen Ratingagenturen stiefmütterlich behandelt. Die haben in der jüngsten Zeit die Kreditwürdigkeit Italiens immer wieder kritisch beurteilt. Sollte das Land seine Staatsschulden nicht in den Griff bekommen, so die Ankündigung von Moody’s, droht die Herabstufung des Ratings. Gleiches drohten in einer Mitteilung vom 23. Juni die Analysten auch 16 italienischen Banken an.

Italien dreht den Spieß um

Moody's

Deshalb nimmt die italienische Börsenaufsicht Consob nun ihrerseits Moody’s unter die Lupe. Vertreter der Ratingagentur müssen heute in Rom ihre Einschätzung begründen und belegen. Bereits am Montag wurden die Analysten von Standard & Poor’s einbestellt. Der Grund: Die italienische Regierung hatte in der vergangenen Woche ein Milliardensparpaket auf den Weg gebracht. Und bereits einen Tag später hat Standard & Poor’s ohne die Details zu kennen, die Sparmaßnahmen negativ beurteilt.

„Ratingagenturen eine große Gefahr“

Schriftzug der Ratingagentur Standard & Poor's an einem Bürogebäude
Schriftzug der Ratingagentur Standard & Poor’s an einem Bürogebäude

„Ich halte die Ratingagenturen schon seit Langem für eine große Gefahr“, so Consob-Präsident Giuseppe Vegas. Die Agenturen seien „wegen ihrer Interessenskonflikte, wegen ihrer undurchsichtigen Arbeitsmethoden, wegen unzähliger von ihnen begangener Fehler“ nicht unabhängig.

Die Skepsis der Ratingagenturen kommt Italien teuer zu stehen. In der Folge der Griechenlandkrise wird es für hoch verschuldete Länder immer schwieriger und kostspieliger, Kredite aufzunehmen. Der Grund: deutlich erhöhte Risikoaufschläge. So stieg gestern der Rendite-Abstand der zehnjährigen italienischen Anleihen zur vergleichbaren Bundesanleihe auf ein neues Rekordhoch seit der Einführung des Euro.

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