Warten auf den „Wow“-Moment

Aufgetankt ist sie schon, doch ihr Start steht in den Sternen: Trotz des schlechten Wetters wird die Raumfähre „Atlantis“ für ihren letzten Flug ins All vorbereitet. Die Chancen für einen heutigen Start sind aber gering. Die vielen Schaulustigen an der Weltraumküste wollen trotzdem bleiben, bis es klappt.

Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington

Regen in Cape Caneveral
Schlechtes Wetter könnte den Start der „Atlantis“ verzögern.

Dunkle Wolken, Donnergrollen und immer wieder Regen. Ein älterer Herr im weißen Polohemd nestelt an einer Plane. Um sich vor dem schlechten Wetter zu schützen, hat er für sich und seine Frau extra ein Zelt gekauft. „Wir haben Spaß“, versichert der Mann, der sich als Dave vorstellt. „Es ist immer nur so eine Sache mit dem Gebrauchsanweisung lesen“, sagt seine Frau Mary Ann und guckt ratlos auf die Zeltstangen und Planen. Die beiden sind extra aus Texas an die Space Coast, die Weltraumküste in Florida gefahren. Sie möchten den letzten Start eines Space Shuttles mit eigenen Augen sehen. Schon seit Freitagmorgen ist das Ehepaar hier – mehr als 24 Stunden vor dem Countdown. Sie wollen sich die besten Plätze sichern.

„Es ist großartig“

Warten auf den Start in Titusville: Camper aus Georgia beim Frühstück.
Warten in Titusville: Camper aus Georgia beim Frühstück

„Es ist der beste Ort. Wenn Du nicht im Kennedy Space Center sein kannst, siehst Du von hier aus am besten“, sagt Debbie. „Hier“ – das ist ein kleiner Park in Titusville, etwa 15 Kilometer Luftlinie von der Startrampe der Raumfähre „Atlantis“ in Cape Canaveral entfernt. Debbie wohnt hier in der Gegend. Sie liebt es, bei Shuttle Starts dabei zu sein: „Es ist einfach diese Vorstellung, Menschen ins All zu schicken. Zu sehen, wie das Shuttle startet. Das ist so ein ‚Wow‘-Moment. Unglaublich. Wir können tatsächlich Menschen ins All schicken und zurückholen. Es ist großartig.“

Dass diese Errungenschaft nach 30 Jahren und 135 Shuttle-Starts nun bald Geschichte sein wird, macht Debbie traurig. Vielen Menschen hier im Park ist wehmütig ums Herz. Bis zu eine Million Raumfahrt-Fans werden heute von den unterschiedlichsten Stellen entlang der Space Coast den Start der „Atlantis“ verfolgen. Wenn er denn tatsächlich stattfindet: „Ich hoffe, dass es hinhaut. Aber wegen des schlechten Wetters stehen die Chancen nur bei 30 Prozent. Aber wir bleiben, bis es klappt“, sagt ein Mann aus Ohio.

Sendungsbild
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  • Mit dem letzten Start der Raumfähre Atlantis endet eine Ära
  • Länge: 0:01:51
  • Datum: 2011-07-08T06:31:00.000+02:00

Auf ihrem allerletzten Flug bringt die „Atlantis“ so viel Nachschub und Proviant wie nie zuvor zur Internationalen Raumstation ISS. Vorräte für ein Jahr hat sie an Bord. Vielen ist mulmig, sich vom Shuttle-System zu trennen. Aber die amerikanischen Weltraumfähren sind zu teuer und zu kompliziert.

Abschied von einer amerikanischen Ikone


Warten auf den Start: Die „Atlantis“ auf der Startrampe

Bis private US-Firmen neue Transporter entwickelt haben, sind amerikanische Astronauten auf Mitfluggelegenheiten bei den Russen angewiesen. Der Start-Direktor der NASA, Mike Leinbach, hat nichts gegen die russischen Sojus-Kapseln. Sie sind sehr verlässlich. Verlässlicher als die Weltraumfähren. Aber dennoch findet Leinbach, dass sich die USA zu früh von den Space Shuttles getrennt haben: Das Shuttle sei eine amerikanische Ikone. „Überall auf der Welt haben Menschen in den Nachrichten den Start der Shuttles verfolgt. Und sie wissen: Amerika startet dieses Shuttle. Niemand sonst kann das. Und wir nun auch nicht mehr. Durch das Ende des Shuttle-Programms verlieren wir etwas von unserer amerikanischen Identität.“

Original, Google Cache, archive.org

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