„Es ist sehr traurig, das Ende zu sehen“

Eine Ära geht zu Ende: Das letzte Mal ist ein Spaceshuttle zur Internationalen Raumstation ISS aufgebrochen. Nun kommen auf die NASA harte Zeiten zu, bis zu 8000 Menschen werden wohl ihren Job verlieren. Doch das nächste Ziel wollen die USA nicht aus den Augen verlieren: den Flug zum Mars.

Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington

Entsetzte „Oh-Nein“-Rufe als die NASA den Countdown bei Sekunde 31 plötzlich stoppte. War die Wolkendecke über dem Kennedy Space Center in Florida doch zu dicht? Drei Minuten banges Warten. Der Grund für die Verzögerung: Die NASA wollte nur sicherstellen, ob sich eine Halterung komplett von der Atlantis abgekoppelt hatte. Und das hatte sie.

Die Mission Controll in Houston konnte den Countdown fortsetzen: Der letzte Start der „Atlantis“. Kerzengerade stieg das weiße Shuttle in den Wolkenhimmel. Unter sich ein Feuerschweif und dicke Rauchwolken. In weniger als einer Minute verschwand die Atlantis in der dichten Wolkendecke, zurück blieb nur eine Rauchsäule. Und begeisterte Menschen: „Es macht mich stolz Amerikaner zu sein, wenn ich diesen Shuttle-Start sehe“, meint einer. Ein anderer ergänzt: „Das war großartig, vor allem, weil es der letzte war. Ich bin damit aufgewachsen. Das ist schon schön.“

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  • Atlantis-Start beschließt Ära der Spaceshuttle-Missionen
  • Länge: 0:01:31
  • Datum: 2011-07-08T23:32:00.000+02:00

„Es war mein erster Start – und mein letzter“

Andere waren regelrecht mitgenommen von dem, was sie gerade erlebt hatten. „Es ist einfach wunderschön. Es war mein erster Start – und mein letzter. Es ist einfach überwältigend“, sagte eine Zuschauerin und wischte sich die Tränen aus den Augen. Als sie sich etwas gefasst hatte, ergänzte sie: „Es ist sehr traurig, das Ende zu sehen.“

Schätzungen zufolge haben bis zu eine Million Raumfahrtfans rund um das Kennedy Space Center zugeschaut, wie sich die „Atlantis“ auf ihre letzte Reise zur Internationalen Raumstation gemacht hat. Vollgeladen mit Proviant und Ersatzteilen für die Besatzung der ISS – ein Jahr soll die Lieferung reichen. Unten im Kennedy Space Center versammelten sich die zuständigen NASA-Manager zu ihrer letzten Pressekonferenz nach einem Shuttle-Start.

„Es war etwas sehr besonderes“

NASA-Mann Mike Leinbach erzählte, wie nach dem Abheben der „Atlantis“ keiner seiner Mitarbeiter den Raum verlassen wollte: „Es war so, wie wenn eine Party eigentlich zu Ende ist, aber keiner gehen will. Du willst einfach noch etwas länger rumhängen, es genießen, mit deinen Freunden zusammen sein. Es war etwas sehr besonderes“. Auf viele von Leinbachs Mitarbeiter wartet die Entlassung, wenn die „Atlantis“ in knapp zwei Wochen wieder zurück zur Erde kehrt. Dass die NASA harte Zeiten vor sich hat, räumte auch NASA-Manager Bob Cabana ein: „Veränderungen sind schwierig“, so Cabana.

Hoffen auf die Mars-Mission

Aber die NASA-Manager versuchten bei der Pressekonferenz nach vorne zu blicken. Sie beschworen die künftigen Transport-Raumfahrzeuge – von US-Privatfirmen entwickelt – die in drei bis fünf Jahren amerikanische Astronauten zur Internationalen Raumstation bringen sollen. Und nicht zu vergessen, die Absicht in zwei Jahrzehnten mit einer leistungsstarken Rakete tief in den Weltraum – und bis zum Mars zu fliegen. Aber richtig glücklich sah keiner der NASA-Manager aus.


Warten auf den Start: Die „Atlantis“ auf der Startrampe…


…und nach erfolgter Zündung auf dem letzten Flug ins Weltall.

Original, Google Cache, archive.org

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