Jüngster Staat der Welt vor großen Herausforderungen

Das bislang größte afrikanische Land teilt sich. Der Südsudan wird zu einem politisch eigenständigen Staat. Das wünschten sich in einer Volksabstimmung fast 99 Prozent der Menschen im Südsudan. Die neue Hauptstadt Juba wächst schnell. Doch das neue Land ist auch geprägt von Armut und Konflikten.

Von Hans Michael Ehl, ARD Hörfunkstudio Kairo, zzt. Juba

„Welcome to Africa’s Country Number 54“ liest man auf einer Leuchtreklame im Regierungsbezirk von Juba. Der Südsudan wird der 54. Staat Afrikas. Die Hauptstadt Juba ist derzeit die am schnellsten wachsende Stadt des Kontinents. Hatte die Stadt am Nil 2005 noch etwa 160.000 Einwohner, sollen es inzwischen über 1,2 Millionen sein. Offizielle Zahlen gibt es aber nicht.

Südsudanesen kehren in ihre Heimat zurück

Karte Sudan und Südsudan
Die Krisenregion Darfur verbleibt nach der Unabhängigkeit des Südsudans beim Norden.

Unter den Zuwanderern sind viele Südsudanesen, die vor der Staatsgründung aus dem Norden in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Außerdem viele Flüchtlinge aus den umkämpften Regionen des Landes.  Mit 640.000 Quadratkilometern ist der Südsudan etwa doppelt so groß wie Spanien und Portugal zusammen. Von den bisher rund 40 Millionen Sudanesen werden nach Angaben der südsudanesischen Regierung acht Millionen im Süden leben. 

Auf Hilfe angewiesen

Bester Beleg dafür, dass der Südsudan als Staat nicht aus eigener Kraft überleben kann, sind die vielen Büros von Hilfsorganisationen in der Hauptstadt. Auf Schritt und Tritt findet man ausländische Organisationen. Von UNICEF über Ärzte ohne Grenzen, bis hin zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und zum Evangelischen Entwicklungsdienst.

Der Sudan – Land der Konflikte

Seit der Unabhängigkeit des Sudan von Großbritannien 1956 ist das Land im Bürgerkrieg. Nur zwischen 1972 und 1983 gab es eine Phase ohne größere Konflikte. Über die Zahl der Opfer existieren nur Schätzungen. So sollen seit 1983 rund zwei Millionen Menschen im Krieg oder an dessen direkten Folgen gestorben sein. Dazu kommen etwa vier Millionen vertriebene, entführte oder geflüchtete Sudanesen, deren Schicksal ungeklärt ist. Der Konflikt wird geprägt von der Konkurrenz zwischen dem arabisch-islamischen Norden und dem afrikanischen, christlich-animistischen Süden. Im Rahmen eines Friedensvertrags wurde 2005 ein Referendum über die Unabhängigkeit des Südsudan vom Rest des Landes vereinbart. Im Januar 2011 stimmten über 99 Prozent der Einwohner des Südens für die Abtrennung. Auch wenn die Teilung am 9. Juli offiziell vollzogen wird, kommt das Land nicht zur Ruhe. In vielen Grenzregionen toben weiter Kämpfe. Nord und Süd streiten vor allem um die Aufteilung der großen Ölvorkommen des Landes.

Hilfe braucht der junge Staat praktisch in allen Bereichen. Beim Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft und bei der Sorge für die öffentliche Sicherheit, im Bildungsbereich und bei der Schaffung politischer Strukturen.

Es mangelt an Versorgung und Sicherheit

Wasserversorgung in Juba: Träger holen frisches Trinkwasser an einem Tankwagen.
Wasserversorgung in Juba: Träger holen frisches Trinkwasser an einem Tankwagen.

Die Zahlen sprechen für sich: Über 80 Prozent der Südsudanesen leben in ländlichen Gebieten. Nur rund jeder dritte Südsudanese über sechs Jahren hat jemals eine Schule besucht. Und nur etwa jeder zweite hat Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jedes zehnte Kind stirbt bei oder kurz nach der Geburt.

Allein in neun der zehn Bundestaaten des Südsudan gibt es Probleme mit der öffentlichen Sicherheit. Dabei geht es nicht nur um Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Stämmen, um Land oder um Vieh. Das größte Sicherheitsproblem sind eigenständige Milizen. Über dreißig solcher bewaffneter Gruppen soll es bis vor sechs Jahren im ganzen Land gegeben haben. Inzwischen brüstet sich die politisch verantwortliche Sudanesische Volksbefreiungsbewegung, die meisten von Ihnen in die Sicherheitskräfte integriert zu haben.

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