Afrika hat einen 54. Staat

Jahrzehntlang herrschte Bürgerkrieg im Sudan zwischen dem Norden und dem Süden. Nun ist der Süden unabhängig und viele hoffen, dass das nun Frieden bringt. Doch das junge Land hat große Probleme. Noch sind wichtige Grenzfragen offen und es droht neuer Streit um Geld aus dem Ölgeschäft.

Von Hans Michael Ehl, ARD Hörfunkstudio Kairo, zzt. Juba

„Zweieinhalb Millionen Menschen sind nicht umsonst gestorben“ liest man auf einem der großen Plakate auf dem zentralen Platz in Juba, der Hauptstadt des Südsudan. So viele Menschen sollen in jahrzehntelangen Kämpfen zwischen dem muslimisch geprägten Norden des Sudan und dem Süden, der naturreligiös und christlich geprägt ist, getötet worden sein.

Unabhängigkeitsfeierlichkeiten Südsudan
Vorbereitungen für den großen Tag in Juba.

Mit der Staatsgründung wird ein großer Schritt in Richtung friedlicher Koexistenz zwischen Norden und Süden getan – so zumindest die Hoffnung vieler im Süden des Landes.

Schon 1962 gab es hier erste bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen. 1983 eskalierten die Kämpfe, als die Zentralregierung in Kartum ihren Einfluss im Süden des Landes verstärken wollte. Auch, weil in Teilen des Südens große Ölfunde gemacht wurden. Unterschiedliche Friedensbemühungen scheiterten. Erst 2005 wurde in der kenianischen Hauptstadt Nairobi ein Friedensvertrag unterzeichnet, der von beiden Seiten akzeptiert wurde. Er sah unter anderem den Übergang zu einer staatlichen Selbstständigkeit des Südens vor, der jetzt beendet wird.

Ein Präsident mit Cowboyhut

Ein Plakat mit dem ersten Präsidenten des Südsudan wird am Veranstaltungsort der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten aufgestellt.
Ein Plakat mit dem ersten Präsidenten des Südsudan wird am Veranstaltungsort der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten aufgestellt.

Für den Süden hat Salva Kiir Mayardit die Friedensverträge von Nairobi unterzeichnet. Er soll jetzt der erste Präsident des neuen Staates werden. Kiir wird von seinen Landsleuten „Commander“ genannt, weil er sich als Anführer der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee SPLA im Kampf gegen den Norden bewährt hat. Sein Markenzeichen ist ein großer Cowboyhut, ohne den er kaum in der Öffentlichkeit auftritt. In den vergangenen Jahren konnte er als Vizepräsident des ganzen Sudan schon Regierungserfahrung sammeln.

Vor allem an zwei strittigen Fragen wird sich entscheiden, ob es zu einem friedlichen Zusammenleben zwischen dem Norden und dem Südsudan kommen kann. Immer noch offen sind wichtige Grenzfragen, zum Beispiel in der ölreichen Region Abyei. Dort haben in den vergangenen Wochen Milizen des Nordens ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Inzwischen sollen äthiopische UN-Soldaten für die Einhaltung eines Waffenstillstands sorgen.

Zweiter Streitpunkt sind die Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Die meisten Ölvorkommen liegen auf südlichem Staatsgebiet. Die wichtigste Pipeline und der wichtigste Hafen Port Sudan liegen allerdings im Norden.

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Karte Sudan und Südsudan
Die Krisenregion Darfur verbleibt nach der Unabhängigkeit des Südsudans beim Norden.

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