Damaskus wirft Washington Einmischung vor

Die syrische Regierung hat den USA vorgeworfen, die Lage im Land destabilisieren zu wollen. Der Besuch von US-Botschafter Robert Ford in der westsyrischen Stadt Hama sei ohne vorherige Genehmigung erfolgt und stelle einen „klaren Beweis für die Verstrickung der USA in die laufenden Vorgänge in Syrien“ dar, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana einen Vertreter des Außenministeriums in Damaskus.

USA weisen Vorwürfe zurück

US-Botschafter Robert Ford bei einem Besuch in Syrien in Juni 2011
US-Botschafter Ford bei einem Besuch in Syrien in Juni 2011

Das US-Außenministerium erklärte hingegen, die syrische Regierung sei über die Reise des Diplomaten vorab informiert worden. US-Botschafter Ford habe Hama besucht, „um unsere tiefe Unterstützung für das Recht des syrischen Volkes auf friedliche Versammlung und Meinungsäußerung auszudrücken“, sagte Außenamtssprecherin Victoria Nuland in Washington. Bei seinem Besuch sei Ford mit mindestens einem Dutzend Demonstranten zusammengetroffen, die seine Anwesenheit begrüßt und sich besorgt über die Lage in ihre Stadt geäußert hätten.

In Hama hatte es wiederholt Kundgebungen gegen Präsident Baschar al Assad gegeben. Die Sicherheitskräfte gingen brutal gegen die Demonstranten vor. In ihrer Stadt ist die Erinnerung an frühere Konfrontationen noch lebendig. Vor knapp 30 Jahren ließ Assads Vater dort das Militär einmarschieren. Damals wurden bei einem Massaker bis zu 20.000 Menschen getötet.

Proteste in Hama
Seit Tagen protestieren die Regierungskritiker in Hama.

Vorort von Damaskus offenbar gestürmt

Inzwischen stürmten Militärs offenbar Harasta, einen Vorort der Hauptstadt Damaskus, wie Menschenrechtler mitteilten. Ein Anwohner berichtete von etwa 300 Sicherheitskräften, die Haus für Haus durchkämmt und Bewohner festgenommen hätten. Von Lastern aus sei mit Maschinengewehren auf Demonstranten gefeuert worden. Dabei sollen drei Menschen verletzt worden sein. Diese seien später von den Assad-Getreuen aus einem Krankenhaus verschleppt worden, erklärte die syrische Menschenrechtsorganisation Sawasiah.

Die Unruhen im Land veranlassten die syrische Regierung offenbar, die für August geplanten Parlamentswahlen auf unbestimmte Zeit zu verschieben. So schrieb es tags zuvor die regierungsnahe syrische Tageszeitung „Al-Watan“.

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