Wieder Tote bei Demonstrationen Tausender in Syrien

In Syrien ist es bei Demonstrationen gegen Staatschef Baschar el Assad erneut zu Übergriffen der Sicherheitskräfte gekommen. Dem Chef der „Syrischen Menschenrechtsliga“, Abdel Karim Rihaui, zufolge wurden zwei Demonstranten im Zentrum von Damaskus, ein weiterer in der Gegend von Dmeir östlich der Hauptstadt getötet.

Syriens Präsident Assad
Die Demonstranten fordern den Rücktritt von Präsident Assad.

Nach Informationen der syrischen „Human Rights Organisation“ wurden in Maarat al-Numaan in der nordwestlichen Idleb-Provinz drei Menschen erschossen, als Sicherheitskräfte mit scharfer Munition und Tränengas gegen tausende Demonstranten vorgingen. Auch in der Region Midan kam demnach ein Regierungskritiker ums Leben.

Die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ (OSDH) berichtete außerdem, dass in der drittgrößten Stadt Homs mindestens 24 Menschen durch Schüsse verletzt wurden, als die Sicherheitskräfte die Demonstranten in verschiedenen Stadtteilen vertreiben wollten. Angaben von Menschenrechtlern und Anwohnern zufolge stürmten Sicherheitskräfte zudem einen Vorort von Damaskus. Bei einem Übergriff in Harasta im Norden der Hauptstadt seien in der Nacht zu Freitag mindestens zwei Menschen verletzt worden.

450.000 Menschen sollen sich in Hama versammelt haben

In der syrischen Protesthochburg Hama sollen sich mehr als 450.000 Menschen auf dem Platz El Assi und in den umliegenden Straßen versammelt haben, um erneut ihre Ablehnung eines Dialogs mit der Regierung zum Ausdruck zu bringen und deren Rücktritt zu fordern. Das berichten sowohl Rihaui als auch auch OSDH-Chef Ramin Abdel Rahman.

Hama gilt seit langem als Zentrum für Andersdenkende in Syrien. Der Vater von Staatschef Baschir al-Assad ging 1982 brutal gegen einen Aufstand der Muslimbrüder vor und tötete möglicherweise bis zu 30.000 Menschen. Assad hält die schmerzhaften Erinnerungen in Hama nun lebendig – er brachte Panzer außerhalb der Stadt in Stellung. Trotzdem finden die Demonstrationen immer mehr Zulauf. Einwohnern zufolge sollen auch nach den Freitagsgebeten in der vergangenen Woche Hunderttausende auf die Straße gegangen sein.

Damaskus kritisiert US-Botschafter

US-Botschafter Robert Ford bei einem Besuch in Syrien in Juni 2011
US-Botschafter Ford bei einem Besuch in Syrien in Juni 2011

Die syrische Regierung warf dem US-Botschafter in Damaskus, Robert Ford, vor, sich mit „Saboteuren“ in Hama getroffen zu haben und damit die Proteste gegen Assad angestachelt zu haben. Ford hatte die Stadt am Donnerstag besucht. Damaskus warf den USA daraufhin vor, sich in die inneren Angelegenheiten Syriens einzumischen.

In den vergangenen Tagen hatten auch am Rande der Hauptstadt Damaskus immer mehr Menschen gegen Assad und für mehr politische Freiheiten demonstriert. Aktivisten geben die Zahl der Toten seit Beginn der Aufstände mit mindestens 1300 Zivilisten an. Die syrischen Behörden haben die meisten ausländischen Journalisten des Landes verwiesen. Überprüfungen der Berichte aus Syrien sind daher schwierig.

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.