Berlusconi-Konzern muss 560 Millionen Euro zahlen

Erneute Schlappe für Italiens Ministerpräsidenten Berlusconi: Sein Unternehmen Fininvest wurde dazu verpflichtet, wegen Korruption 560 Millionen Euro an einen Konkurrenten zu zahlen. Bei der Übernahme eines Verlages soll Fininvest Richter bestochen haben.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Jetzt wird es teuer für Silvio Berlusconis Konzern Fininvest: 560 Millionen Euro Schadenersatz muss die Familienholding einem Konkurrenten zahlen. Der Fall ist 20 Jahre alt.

Mondadori-Verlagsgebäude in Mailand
Berlusconis Konzern bekam zu Unrecht den Buchverlag Mondadori zugesprochen.

Im Jahr 1991 konkurrierte Berlusconi mit der Holding der Familie de Benedetti um den renommierten Buchverlag Mondadori. Am Ende bekam Berlusconi vor Gericht den Verlag zugesprochen – allerdings durch Bestechung, wie Richter im Jahr 2001 feststellten. Doch der Fall sei verjährt.

Carlo de Benedetti, der auch Herausgeber der regierungskritischen Tageszeitung „Repubblica“ ist, ging vor ein Zivilgericht und bekam dort in erster und nun auch in zweiter Instanz Schadenersatz zugesprochen. Die Zahlung der Summe muss sofort erfolgen.

„Schwerstes betrügerisches Verhalten“

In einer ersten Reaktion sprach Tochter Marina Berlusconi, die den Fininvest-Konzern heute leitet, von „Aggression“ gegen ihren Vater und kündigte erneut Berufung gegen das Urteil an. Oppositionspolitiker Antonio di Pietro nannte jede politische Interpretation des Urteils durch die Familie Berlusconi unbrauchbar: „Wir stehen hier vor einem Fall von schwerstem betrügerischen Verhalten“, sagte der frühere Staatsanwalt.

Berlusconi selbst hatte immer wieder versucht, mit Gesetzesänderungen eine Verurteilung beziehungsweise die Zahlung des Schadenersatzes zu verhindern. Zuletzt versuchte er in seinem Milliardensparpaket ein entsprechendes Dekret zu verstecken. Als der Fall ans Licht kam und der Ärger auch innerhalb der Koalition groß war, zog die Regierung den Plan zurück. 

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