Israel verhindert Einreise weiterer Palästina-Aktivisten

Mehr als 120 Palästina-Aktivisten sitzen in israelischer Abschiebehaft, unter ihnen 15 Deutsche. Damit nicht noch mehr Demonstranten ins Land kommen, schickte Israel den Fluggesellschaften Listen mit Namen von unerwünschten Personen – unter Androhung von Sanktionen.

Von Tim Aßmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Flug LH 690 aus Frankfurt kam in der Nacht schon mit Verspätung an, aber auch nach der Landung in Tel Aviv ging es alles andere als zügig. Die israelischen Behörden überprüften alle Reisenden genau und nahmen schließlich 35 von ihnen zur Befragung fest. Allen wurde die Einreise verweigert, weil die Behörden sie für Provokateure halten, die nur gekommen sind, um gegen Israel zu protestieren.

Palästina-Aktivisten am Tel Aviver Flughafen Ben Gurion
Palästina-Aktivisten protestieren am Tel Aviver Flughafen Ben Gurion.

Unter den Festgenommenen des Lufthansa-Fluges sind zwölf deutsche Staatsbürger. Bereits am Freitagnachmittag waren drei Deutsche festgenommen worden. Alle befinden sich nun – verteilt auf verschiedene Gefängnisse – in Abschiebehaft. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, die 15 Deutschen würden von der Botschaft in Tel Aviv betreut und seien alle wohlauf.

Die israelische Regierung ist an einer raschen Abschiebung interessiert. Wie schnell es geht, hängt aber auch von den Kapazitäten der Fluggesellschaften ab: In dieser Jahreszeit sind die Flüge von und nach Tel Aviv sehr voll.

Fluggesellschaften mit Sanktionen gedroht

Insgesamt sitzen etwa 120 Teilnehmer der Aktion „Willkommen in Palästina“ in israelischer Abschiebehaft. Mehrere hundert weitere konnten gar nicht erst nach Tel Aviv fliegen. Ihre Namen standen auf einer Liste, die Israel an Fluggesellschaften übergeben hatte. Den Unternehmen war mit Sanktionen gedroht worden, falls sie die betreffenden Personen einfliegen würden. „Wir bestätigen, dass etwa 200 Menschen nicht in ihre Flugzeuge hierher steigen konnten, weil die Fluggesellschaften wussten, dass sie diese Personen wieder hätten zurückfliegen müssen“, sagte der israelische Polizeisprecher Mickey Rosenfeld und verwies darauf, dass ihnen die Einreise verweigert worden wäre.

Bis zu 100 Teilnehmer schaffen es ins Land

Wer es dennoch ins Land schaffte, auf den wartete am Flughafen Ben Gurion ein Großaufgebot an Sicherheitskräften in Uniform und Zivil. Etwa 50 bis 100 Teilnehmern der „Willkommen in Palästina“-Aktion sei es allerdings gelungen, durch das engmaschige Netz zu schlüpfen, teilten die Organisatoren mit. Die Aktivisten, die unerkannt einreisen konnten, fuhren weiter ins besetzte Westjordanland.

Polizisten tragen am Flughafen in Tel Aviv eine Palästina-Aktivistin fort.
Polizisten tragen eine Palästina-Aktivistin fort.

Andere waren bereits vor Beginn der verschärften Sicherheitsmaßnahmen angereist – so wie diese Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte: „Ich kam schon vor einigen Tagen und hatte mich bei keiner der Organisationen eingetragen. Ich wollte sehen was passiert. Nun weiß ich, dass die Namen von allen, die die palästinensischen Friedensorganisationen vorher kontaktierten, bei den Fluggesellschaften landeten.“

Protest gegen Siedlungen im Westjordanland

Die „Willkommen in Palästina“-Aktivisten wollten eine Woche im palästinensischen Westjordanland verbringen und dort unter anderem gegen jüdische Siedlungen protestieren. Dies gelingt jetzt nur wenigen von ihnen. Israels Sicherheitsbehörden feiern ihr Vorgehen als Erfolg. Die Fluggesellschaften sprechen inoffiziell verärgert und verständnislos von einem „in dieser Größenordnung einzigartigen Vorgang“. Einige israelische Medien sind sich sicher, dass die Regierung dem Ansehen des Landes großen Schaden zugefügt hat.

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.