Vom Bürgerkriegsland zum Brotkorb Afrikas?

Bei Feierlichkeiten in Juba hat sich der Südsudan offiziell für unabhängig erklärt. An der Zeremonie nehmen zahlreiche internationale Staatsgäste teil. Das Ausland wird auch beim Aufbau des Landes benötigt werden – Bürger und Entwicklungshelfer loben bereits das Potenzial des jungen Staates. Vor allem in den Sektoren Landwirtschaft und Tourismus sehen sie große Entwicklungsmöglichkeiten.

Von Hans Michael Ehl, ARD Hörfunkstudio Kairo, zzt. Juba

Karges Land, Steppe, Krieg, Tod, Hunger – das verbinden viele mit dem Sudan. Wer aber mit dem Flugzeug nach Juba, die Hauptstadt des Südsudan kommt, wird eines besseren belehrt: Grünes Weideland und üppige Felder wohin das Auge blickt, überall in der Stadt wird gebaut, Schülerinnen und Schüler kommen in ihren Uniformen vorbei, Polizistinnen regeln den Verkehr.

Der Südsudan hat große Möglichkeiten meint deshalb auch die zuständige Ministerin Anne Itto: „Wir wurden im Krieg unterdrückt, wir haben unser Potenzial nicht maximiert, wenn es um die landwirtschaftliche Produktion geht. Für lange Zeit wurde der Südsudan der ‚Brotkorb Afrikas‘ genannt, und es ist die Zeit, das wieder wahr zu machen.“

Flüchtlinge aus dem Norden des Landes erhalten Lebensmittelshilfe
Noch sind viele Menschen – wie diese Flüchtlinge aus dem Norden – auf Lebensmittelshilfe angewiesen.

Zentrale Rolle ausländischer Hilfe

Noch ist das Land aber nicht so weit. Der lange Krieg fordert seinen Tribut. Zweieinhalb Millionen Menschen sollen während der Kämpfe allein im Süden des Landes getötet worden sein. Aber innerhalb der vergangenen fünf Jahre – also seit dem Friedensvertrag zwischen dem Norden und dem Süden – ist viel passiert. Es ist viel aufgebaut worden, auch mit ausländischer Hilfe, oder besser gesagt, vor allem mit ausländischer Hilfe.

So engagiert sich zum Beispiel die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag der Bundesregierung unter anderem bei Wasserprojekten, beim Aufbau einer Verwaltung und bei der Ausbildung von Polizisten sowie bei der Rückführung von Bürgerkriegsflüchtlingen aus den Nachbarstaaten und aus dem Norden des Landes.

Landwirtschaft, Tourismus…

Einen Schwerpunkt bildet die Hilfe beim weiteren Ausbau der Landwirtschaft. „Dieses Land hat ein riesiges landwirtschaftliches Potenzial,“ betont auch Manfred van Eckert, von der GIZ im Südsudan. Wenn die Bevölkerung richtig beraten, die Finanzierung sichergestellt und wenn Investitionen in die Landwirtschaft getätigt würden, werde der Südsudan sicherlich früher oder später auch wieder ein Agrarexportland werden.

Van Eckert sieht große Möglichkeiten zum Beispiel auch im Tourismus. Wunderbare und noch unberührte Flusslandschaften, mit einer bisher geschonten Tierwelt, könnten bald Besuchern aus aller Welt offen stehen. In zehn Jahren, so Eckert, werde man das Land nicht wiedererkennen, so schnell gehe die Entwicklung zum Guten voran.

… und Sicherheit

Ein junger Südsudanese mit einer Fahne seines Landes.
Ein junger Südsudanese mit einer Fahne seines Landes.

Wichtig ist ihm, dass das Land auch in puncto Sicherheit weitere Fortschritte macht. Er gehe davon aus, dass der innere Frieden eines der wichtigsten Ziele der Regierungsarbeit sein werde, so der deutsche Entwicklungshelfer, und lobt die „recht guten Fortschritte“ in den vergangenen Jahren.

„Wenn ich mir heute die Polizei anschaue und sie mit der von zwei Jahren vergleiche, kann man schon einen Quantensprung an Kompetenz feststellen.“ Die Beamten seien sehr viel disziplinierter, würden Uniformen tragen und wüssten was sie tun dürfen – und was sie nicht tun. Außerdem würden sie dem Bürger „recht umgänglich“ entgegentreten, lobt Eckert.

Viele ausländische Firmen haben inzwischen Büros in Juba aufgemacht. Im Restaurant lerne ich zwei libanesische Bauingenieure kennen. Sie sollen für ihre Firma Aufträge an Land ziehen. Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind getan, einen Südsudan-Boom wird es aber nur unter einer Voraussetzung geben: dass die Menschen ihr Land endlich in Frieden aufbauen könne.

Original, Google Cache, archive.org

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