Forscher entschlüsseln Erbgut der Kartoffel

Sie heißen Sieglinde, Belana oder Selma, sind fest- oder mehlig kochend und starteten ihren Siegeszug von Südamerika aus: Kartoffeln. Forscher an weltweit knapp 30 Forschungseinrichtungen haben nun eines der letzten Geheimnisse der Knolle gelüftet. Die Wissenschaftler entschlüsselten rund 86 Prozent der DNA aus mehr als 840.000.000 Basenpaaren. „Angesichts der entscheidenden Rolle der Kartoffel für die Welternährung und Ernährungssicherheit bietet das Kartoffelgenom nun eine neue Ressource für die Züchtung“, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Nature“.

Kartoffeln (Archivbild)
Ein Zusammenschluss von Forschern hat das Genom der Kartoffel entschlüsselt. (Archivbild)

Die Kartoffel gilt als genetisch besonders komplex, die meisten Sorten besitzen einen vierfachen Chromosomensatz. Durch die Entschlüsselung könnte nun die Züchtung neuer Sorten erleichtert werden. Zwar werde die Wissenschaft „eine Weile“ brauchen, um mit den Informationen Anbaueigenschaften wie den Ertrag, die Trockentoleranz oder die Krankheitsresistenz zu verbessern, aber „unsere Forschung wird die Bemühungen beschleunigen“, ist Robin Buell von der Michigan State University (US-Bundesstaat Michigan) überzeugt.

Eines der größten, ungelösten Probleme der Kartoffel ist die hohe Anfälligkeit für Pilz- und Bakterienkrankheiten. Die gezielte Züchtung krankheitsresistenter Sorten wurde durch die komplizierte Genetik der Kartoffel erschwert. „Diese Merkmale stellen eine signifikante Barriere zur Optimierung mit klassischen Züchtungsmethoden dar. Die Herausforderung für die wissenschaftliche Gemeinschaft besteht daher darin, eine Genomsequenz zu erhalten, die Verbesserungen vereinfacht“, so die Forscher.

Kompliziert, aber beliebt für ihre Stärkehaltigkeit

Die einzelnen Forschungseinrichtungen, die sich im „Potato Genome Sequencing Consortiums“ zusammengeschlossen haben, untersuchten jeweils einzelne Abschnitte zweier genetisch unterschiedlicher Kartoffelvarianten und kombinierten die Daten anschließend. Die Wissenschaftler um Buell konnten demnach Gene identifizieren, die für die Entwicklung der Kartoffel von zentraler Bedeutung sind – etwa bei der Speicherung von Stärke oder der Entwicklung der Knolle. Außerdem wurden Gene und Genmuster identifiziert, welche die Anfälligkeit für Schädlinge oder Krankheiten bestimmen.

Die schmackhaften Knollen sind ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO wurden im Jahr 2009 weltweit 330 Millionen Tonnen produziert. Ein Teil der Kartoffelproduktion wird in der industriellen Stärkeproduktion eingesetzt. Dabei kommen bereits gentechnisch veränderte Sorten zum Einsatz. Wie die von BASF entwickelte Sorte „Amflora“, deren Stärke für die Papier-, Garn- und Klebstoffindustrie vorgesehen ist.

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.