„Er ist ein sympathischer Mensch“

Nach dem Sturz der CDU in Baden-Württemberg galt die „Südschiene“ – die traditionell enge Zusammenarbeit zwischen den Landesregierungen in Stuttgart und München – als erledigt. Eiszeit brach aus. Mit Blick auf die neue grün-rote Landesregierung kündigte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer gar einen „Wettbewerb der Systeme“ an. Und CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt nannte den grünen Ministerpräsidenten im Nachbarland, Winfried Kretschmann, gar eine „Fehlbesetzung“.

Kein halbes Jahr später kommen versöhnlichere Töne aus Bayern. Seehofer über Kretschmann: „Er ist ein sehr pragmatischer und sehr sympathischer Kollege. Wir haben in vielen Bereichen unterschiedliche Ansätze, aber wo wir gemeinsame haben, da machen wir es auch gemeinsam.“

Fußball verbindet

Gemeinsam haben beide Politiker offenbar Lust auf Fußball. Sie trafen sich nun in Augsburg – zum Viertelfinale der Fußball-WM zwischen Schweden und Australien. Anschließend redeten sie miteinander – es war das erste offizielle Gespräch zwischen dem Grünen und dem CSU-Chef.

Seehofer und Kretschmann in Ausgburg
„Wir können streiten, aber wir können auch zusammenarbeiten“, umschreibt Kretschmann (r.) das Verhältnis zu seinem bayerischen Amtskollegen Seehofer (l.).

Vor Journalisten unterstrichen die beiden Ministerpräsidenten danach den Willen zur engen Zusammenarbeit bei Themen, in denen trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit Einigkeit herrscht. Kretschmann drückte es so aus: „Wir können streiten, aber wir können auch zusammenarbeiten.“ Und Seehofer ergänzte: Im Falle von Meinungsverschiedenheiten werde es Diskussionen geben. Diese seien aber kein „Weltuntergang“, sondern eine „Bereicherung“.

Einig beim Thema Länderfinanzausgleich

Einer Meinung waren beide Regierungschefs in ihrem Kampf für eine Neuregelung des Länderfinanzausgleichs. Sie wollen für eine Föderalismuskommission werben, die die Neuordnung ausarbeitet. Ziel sei es, „nur im äußersten Falle“ gegen die bestehende Regelung zu klagen, sagte Seehofer. Die Geberländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen hatten vor dem Machtwechsel im Südwesten eine Klage gegen den Länderfinanzausgleich in Karlsruhe angekündigt. Kretschmann stellte klar: „Die Klage ist nicht vom Tisch, aber wir haben sie zurückgestellt.“ Erst wenn alles scheitert wolle man vor Gericht gehen und nicht umgekehrt.

Außerdem betonten die Ministerpräsidenten die gemeinsame Initiative für den Ausbau der Windenergie. Geplant ist in einigen Monaten auch eine gemeinsame Kabinettssitzung der beiden Landesregierungen. Kretschmann stellte klar, dass „die Südschiene auch in neuer Konstellation gut funktioniert“. Das fand offenbar auch Seehofer: Er war voll des Lobes für seinen grünen Amtskollegen aus Stuttgart: Er schätze Kretschmann als „überzeugten Föderalisten“. Und: „Er ist ein sympathischer Mensch.“

„Es ging nicht um Koalitionsfragen“

Spekulationen über eine grundlegende schwarz-grüne Annäherung bemühte sich Seehofer aber zu zerstreuen. Bei dem Treffen habe man ausschließlich über Sachthemen geredet. „Es ging aber nicht um Koalitionsfragen.“ Schon vor dem Treffen hatte Seehofer seine Treue zum Koalitionspartner FDP versichert.

Auch die FDP hatte die CSU vor schwarz-grünen Gedankenspielen gewarnt. „Lässt die Union vor der Wahl auch nur ansatzweise erkennen, dass sie für ein Bündnis mit den Grünen bereitsteht, dann wäre dies das beste Konjunkturprogramm für die FDP“, sagte Bayerns FDP-Fraktionschef Thomas Hacker, der im Bundesvorstand der Partei sitzt. Das Treffen von Seehofer und Kretschmann nannte er ein „gelegentliches Geflirte“.

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