Die Aufräumarbeiten stehen erst am Anfang

Vier Monate nach dem verheerenden Erdbeben und der Atomkatastrophe in Japan zeichnet sich ab, dass die Probleme in Fukushima noch lange nicht behoben sind. Experten gehen davon aus, dass sie noch folgende Generationen beschäftigen werden. Die Regierung in Tokio ordnete Stresstests für alle 54 Atomkraftwerke des Landes an. Wann die 35 derzeit stillgelegten Meiler wieder ans Netz gehen, hänge vom Ergebnis dieser Tests ab.

Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Atomkraftwerk Fukushima
In Fukushima gehen die Arbeiten am Atomkraftwerk weiter, um die radioaktive Belastung der Umgebung zu minimieren.

Die sogenannte Roadmap des Betreibers Tepco sieht vor, dass bis zum 17. Juli ein stabiles Kühlsystem im havarierten AKW eingerichtet sein soll. Vier Monate nach der Atomkatastrophe von Fukushima sind die Probleme aber längst nicht behoben. Am Sonntag musste die Filteranlage erneut mehrere Stunden wegen eines kleinen Lecks angehalten werden. Dieses System zur Reinigung des hoch radioaktiven Wassers ist entscheidend, um einen Kreislauf in Gang zu bringen, mit dessen Hilfe die Reaktorblöcke 1,2 und 3 dauerhaft herunter gekühlt werden können, ohne dass sich neues, radioaktiv verschmutztes Wasser ansammelt.

Hohe Strahlung verzögert Aufräumarbeiten

Während in den Blöcken 1 und 2 bereits Stickstoff eingeleitet wird, um eine mögliche weitere Wasserstoff-Explosion zu verhindern, ist das trotz des Einsatzes von Robotern im Reaktorblock 3 noch nicht gelungen. Hier behindern nach wie vor hohe Strahlungswerte den Einsatz von Menschen. All das sind aber Schritte, die der Roadmap zufolge bis zum 17. Juli durchgeführt werden müssen. In den folgenden sechs Monaten soll dann eine endgültige Stabilisierung des Atomkraftwerks Fukushima 1 erreicht werden.

Arbeiten werden wohl noch Jahrzehnte andauern

Videostandbild einer Roboter-Kamera in Block 1 des AKW Fukushima 1 (Quelle: Tepco)
Im Block 1 des AKW Fukushima 1 werden Roboter eingesetzt. (Quelle: Tepco)

Doch auch dann sind die Probleme nicht zu Ende, so Japans Premierminister Naoto Kan: „Es wird voraussichtlich drei, fünf, zehn Jahre, wenn nicht sogar mehrere Jahrzehnte dauern, bis die atomare Katastrophe endgültig abgeschlossen ist.“ Es sei daher dringend nötig, erneut eine Diskussion innerhalb der japanischen Bevölkerung anzustoßen, wie es mit der Atom- und Energiepolitik des Landes weitergehen soll.

Tanks für die Einlagerung radioaktiv belasteten Wassers auf dem Gelände des AKW Fukushima I.
Radioaktiv belastetes Wassers wird auf dem Gelände des AKW Fukushima I zwischengelagert.

Von 2014 bis 2016 sollen laut einem Entwurf, den der japanische Fernsehsender NHK erhalten hat, die gebrauchten Brennstäbe in den Abklingbecken entsorgt werden. Bis dahin muss man sie in der zerstörten Anlage von Fukushima 1 weiter kühlen. Immerhin funktioniert mittlerweile das Wärmetauschsystem der Abklingbecken mit Ausnahme des Blocks 4. Dieses Gebäude ist durch die Explosion so stark beschädigt worden, dass verstärkende Baumaßnahmen dringend nötig sind.

Technologie ist noch gar nicht entwickelt

Der langfristige Plan zur Stilllegung des havarierten Atomkraftwerks sieht vor, dass beginnend mit dem Jahr 2021 die geschmolzenen Brennstäbe geborgen und entsorgt werden – vorausgesetzt die entsprechende Technik ist bis dahin entwickelt, erklärt Atomexperte Kochi Okamoto: „Die Maßnahmen werden zehn- bis 20-mal so schwierig sein wie die Arbeiten am havarierten AKW Three Mile Island in den USA. Aber wenn wir die Erfahrungen von damals berücksichtigen, ist das Problem lösbar. Die Risiken während des Prozesses der Stilllegung von Fukushima werden aber nach wie vor groß sein. Die japanische Öffentlichkeit muss darüber informiert werden, dass es gefährlich bleibt, wenn auch deutlich geringer als in den ersten Monaten der Atomkatastrophe.“

Japan hat kein Endlager                                                       

Dem Entwurf der Atomaufsichtsbehörde NISA zufolge wird erst nach Jahrzehnten die Anlage abgerissen und entsprechend entsorgt werden können. Dabei ist die Frage, wohin mit all dem radioaktiven Schutt, den gebrauchten Brennstäben und vor allem den geschmolzenen Kernen nicht gelöst. Es gibt in Japan bisher kein zugelassenes Endlager.

Aktuell ist der Betreiber Tepco dabei, ein Stahlgerüst um die Reaktorgebäude aufzubauen, das Mitte September mit Plastikplanen abgedeckt werden kann. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass radioaktive Teilchen, die zum Beispiel mit dem Wasserdampf austreten, weiterhin in die Umwelt gelangen. Schon jetzt hat sich das Problem von der Eindämmung der Krise in Fukushima dahin gehend verschoben sicherzustellen, dass keine radioaktiv verseuchten Lebensmittel in den Handel gelangen.

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