Murdochs Milliarden-Deal in der Warteschleife

Nach dem Abhörskandal beim Boulevardblatt „News of the World“ hat die britische Regierung vorerst die Übernahme des Pay-TV-Unternehmens BSkyB durch Rupert Murdochs Konzern News Corp gestoppt. Murdoch müsse erstmal das „Durcheinander aufräumen“, bevor er mit seinem Medienkonzern die nächsten Schritte unternehmen könne, sagte Premierminister David Cameron.

Die britische Regierung verschärfte damit nach wochenlanger Kritik an ihrem angeblich zu zahmen Umgang mit Murdoch nun die Gangart. Medienminister Jeremy Hunt kündigte an, die Prüfung der Offerte für BSkyB den Kartellwächtern übertragen zu wollen. Im Fokus steht dann die Frage, ob das Geschäft gegen Monopolverbote verstößt. Murdoch muss damit wohl seine Hoffnungen auf eine schnelle Übernahme von BSkyB zu den Akten legen, da sich ein komplettes Wettbewerbsverfahren ein Jahr lang hinziehen könnte. Zudem dürften die Kartellbeamten die Akquisition wesentlich genauer durchleuchten als die britische Medienaufsicht, der die Prüfung bisher oblag.

Spielt Murdoch auf Zeit?

Rupert Murdoch unterwegs in London
BSkyB-Kauf wieder fraglich? Rupert Murdoch in seinem Wagen

News Corp teilte mit, mit der Competition Commission zusammenarbeiten zu wollen. Zuvor hatte Murdoch angekündigt, Zugeständnisse bei der Übernahme, die sein Unternehmen an die Regierung gemacht hatte, zurückzunehmen. So hatte Murdoch etwa eingewilligt, den Sender Sky News auszugliedern.

Murdochs Rücknahme der Zugeständnisse kann auch als Flucht nach vorn gedeutet werden: Die zunehmend hitzige Debatte um den Abhörskandal ließ eine schnelle Genehmigung für den Deal auf politischer Ebene unwahrscheinlicher erscheinen. Nun könnte es für Murdoch günstiger sein, das Kartellamt prüfen zu lassen und damit Zeit zu gewinnen.

„Tun Sie das Anständige und Vernünftige“

Vizeregierungschef Nick Clegg forderte Murdoch auf, den Komplettkauf des Konzerns abzublasen. „Tun Sie das Anständige und Vernünftige und überdenken sie noch einmal ihr Gebot für BSkyB“, sagte Clegg der BBC. Der liberaldemokratische Politiker hatte sich zuvor mit Betroffenen des Abhörskandals der Murdoch-Zeitung „News of the World“ getroffen, die am Wochenende den Betrieb einstellte. Auch die Opposition verlangt den Stopp des Geschäfts.

Abhörskandal beim Sonntagsblatt


Aus nach 168 Jahren: die Boulevard-Zeitung „News of the world“

Journalisten der „News of the World“ wird vorgeworfen, Tausende Telefone abgehört zu haben, unter anderem von Verwandten getöteter britischer Soldaten, von vermissten Kindern und Todesopfern der Bombenanschläge 2005 in London. Zudem sollen Redakteure Polizisten bestochen haben. Nach immer neuen Details schloss Murdoch die Zeitung am Sonntag – nach 168 Jahren.

Doch der Skandal zieht immer weitere Kreise: Nach Online-Berichten des „Guardian“ und des „Independent“ sollen Reporter der „News of the World“ und auch Journalisten anderer Blätter des Murdoch-Konzerns versucht haben, dass Mobiltelefon des ehemaligen Premierministers Gordon Brown zu knacken. Die Reporter hätten sich sowohl für Browns Bankkonten als auch den Gesundheitszustand seiner Familie interessiert. Auch die königliche Familie stand im Visier der Journalisten, wie die BBC berichtete.

135.000 Beschwerden gegen Übernahme

Ursprünglich war die Übernahme so gut wie in trockenen Tüchern. Medienminister Hunt wollte nach einer positiven Vorentscheidung der Regierung eigentlich grünes Licht geben. Er verlängerte das Verfahren, nachdem 135.000 Beschwerden eingegangen waren. Seine Meinung zu der Abhöraffäre bei der „News of the World“ ist deutlich: Die Enthüllungen drehten ihm „den Magen um“, sagte Hunt.

Cameron und Hunt versuchen mit ihrem Vorgehen, weiteren Schaden von der Regierung abzuwenden. In den vergangenen Tagen geriet insbesondere Cameron immer stärker in die Kritik, da ein ehemaliger Chefredakteur des Skandalblatts bis Jahresanfang sein Kommunikationschef war. Die Opposition wirft ihm schon länger zu große Nähe zu den Murdoch-Zeitungen vor, zu denen auch das Boulevardblatt „Sun“ gehört.

BSkyB ist hochprofitabel

Der Aktienkurse von BSkyB und von News Corp verloren kräftig. Der 80-jährige Murdoch hält bereits knapp 40 Prozent an dem hochprofitablen Bezahlfernsehsender BSkyB und will für die restlichen 60 Prozent 14 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Auch in Deutschland ist der Medienunternehmer mit Sky im Pay-TV-Geschäft aktiv. Sky schreibt allerdings seit Jahren hohe Verluste.

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.