„Alles flog durch die Gegend“

Bei der Explosion mehrerer Munitionscontainer in Zypern sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Der betroffene Marinestützpunkt wurde schwer verwüstet, Trümmerteile flogen umher. Ein nahegelegenes Elektrizitätswerk fiel aus. Der Verteidigungsminister sowie der Kommandeur der Nationalgarde traten nach scharfer Kritik zurück.

Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Auf einem Stützpunkt der zyprischen Marine sind nach ersten Ermittlungen mehrere Container mit Munition explodiert. Das Unglück ereignete sich heute früh um 5:00 Uhr deutscher Zeit an der Südküste Zyperns.

Ein Sprecher der zyprischen Nationalgarde sagte, die explodierten Container stammten aus einem illegalen Waffentransport. Sie waren Anfang 2009 beschlagnahmt worden, damals war ein verdächtiges Frachtschiff von amerikanischen Kriegsschiffen im östlichen Mittelmeer gestoppt und nach Zypern eskortiert worden. Wie es heißt, sollte das Schiff damals Waffen von Iran nach Syrien bringen. Warum die offensichtlich gefährlichen Munitionscontainer seitdem einfach auf dem Marinestützpunkt „Evangelos Florakis“ gelagert wurden, ist unklar.

Explosion auf Militärbasis in Zypern
Mehrere Menschen sind bei der Explosion ums Leben gekommen.

Beschädigtes Elektrizitätswerk in Zypern
Das Elektrizitätswerk Vasiliko wurde schwer beschädigt.

Trümmerteile auf den Straßen

Die Explosion verwüstete den betroffenen Stützpunkt komplett. Auch in den benachbarten Ortschaften Zygi und Mari gab es schwere Schäden. Nach Augenzeugenberichten wurden in Mari fast alle Gebäude durch die Druckwellen der Explosionen beschädigt. Alles sei voller Scherben und Splitter. Eine Autofahrerin, die während der Explosion auf einer Landstraße in der Nähe unterwegs war, sagte im zyprischen Fernsehen: „Hier kam plötzlich alles Mögliche runter: Splitter, Scherben, Autoteile, Stangen, Trümmer – unglaublich ist das. Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht. Hier flog einfach plötzlich alles durch die Gegend!“

Die schweren Explosionen beschädigten auch das größte Stromkraftwerk des Landes. Über dem Gelände liegt schwarz-grauer Rauch. In der Gegend um die Hafenstadt Larnaka fiel zeitweise der Strom aus. Auch der wichtigste internationale Flughafen Zyperns in Larnaka war zeitweise betroffen.

Sendungsbild
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  • Tote und Verletzte bei Explosion auf Marinestützpunkt
  • Länge: 0:01:24
  • Datum: 2011-07-11T14:34:00.000+02:00

Bewohner zum Stromsparen aufgerufen

Der Sprecher des zyprischen Energieversorgers AIK, Kostas Gavrilidis, rief übers Radio die Bewohner der Insel zum Stromsparen auf: „Die Bitte geht an alle: Falls Sie Generatoren haben, schalten Sie sie bitte ein, um das Netz zu entlasten. Außerdem sollten Sie Klimaanlagen ausschalten.“

Die Krankenhäuser auf Zypern riefen die Bewohner der Insel inzwischen zum Blutspenden auf. Staatspräsident Dimitris Christofias kam in der Hauptstadt Nikosia mit Ministern und Beratern zu einer Krisensitzung zusammen.

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