Ein „schwarzer Tag“ für Zypern

Von einem „schwarzen Juli-Tag“ spricht Zyperns Präsident: Nach der Explosionsserie auf einem Marinestützpunkt trauern die Menschen um die zwölf Toten. Zugleich begann die Suche nach der Unglücksursache. Ein Minister trat zurück. Doch Zypern wird langfristig unter der Katastrophe leiden.

Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Zwölf Tote, mehr als 60 Verletzte, zwei Menschen schweben noch in Lebensgefahr – das ist die verheerende Bilanz der Explosionskatastrophe auf einem Marinestützpunkt im Süden Zyperns.

Heute Morgen waren auf dem Stützpunkt „Evangelos Florakis“ an der Südküste der Insel mindestens zwei Container explodiert, die offenbar mit Munition beladen waren. Noch in zwei benachbarten Ortschaften, einige Kilometer vom Stützpunkt entfernt, gingen Fensterscheiben zu Bruch. Im Umkreis von mehreren Kilometern kamen Schutt, Trümmerteile und Splitter vom Himmel herunter. Zyperns Präsident Dimitris Christofias ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. „Das ist ein schwarzer Juli-Tag für unser Land und unser Volk. Wir sind erschüttert, weil viele unserer Mitbürger zu Tode kamen oder verletzt wurden.“

Explosion auf Militärbasis in Zypern
Mehrere Menschen sind bei der Explosion ums Leben gekommen.

Beschädigtes Elektrizitätswerk in Zypern
Das Elektrizitätswerk Vasiliko wurde schwer beschädigt.

Munition jahrelang überirdisch gelagert

Die Kommentatoren zyprischer Medien üben inzwischen deutliche Kritik an den Militärs des Landes. Denn es sieht ganz danach aus, dass das Unglück durch Fahrlässigkeit mit verursacht wurde. Die explodierten Munitionscontainer waren Anfang 2009 auf einem Frachtschiff beschlagnahmt worden. Das aus Iran kommende Schiff war damals im Mittelmeer gestoppt und nach Zypern gebracht worden. Wie es heißt, sollte das Schiff die Waffen nach Syrien bringen. Warum die offensichtlich gefährlichen Munitionscontainer seitdem einfach überirdisch auf dem Marinestützpunkt gelagert wurden, ist unklar. Verteidigungsminister Kostas Papakostas und ein Generalkommandeur der zyprischen Nationalgarde traten inzwischen zurück. 

Sendungsbild
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  • Zahlreiche Tote und Verletzte bei Explosion auf Marinestützpunkt
  • Länge: 0:01:17
  • Datum: 2011-07-11T20:21:00.000+02:00

Ausgelöst wurde die Explosionsserie möglicherweise durch einen Grasbrand oder Buschbrand auf dem Stützpunkt. Seit einigen Tagen ist es auf der Insel drückend heiß – es werden 40 Grad und mehr gemessen. Ganze Landstriche sind völlig ausgetrocknet. „Wir haben gesehen, dass plötzlich der Himmel aufleuchtete und ganz hell wurde“, erzählt ein Angestellter des nahegelegenen Kraftwerks, der die Katastrophe während seines Nachtdiensts erlebte. „Das kam von nebenan, vom Stützpunkt. Um 5:45 Uhr gab es dann eine riesige Explosion. Ich bin am Kopf verletzt worden. Alles wurde dunkel. Wir sind rausgekrochen. Und auf den Straßen war alles voll mit Trümmern.“

Strom wird knapp…

Die Marinebasis wurde durch die heftigen Explosionen völlig zerstört. Auch das benachbarte Kraftwerk wurde beschädigt, und zwar so schwer, dass landesweit immer wieder der Strom ausfiel. Das Kraftwerk liefert etwa die Hälfte des Stroms auf der Insel, deswegen rief ein Sprecher des zyprischen Energieversorgers die Menschen im Radio auf, Strom zu sparen. „Die Bitte geht an alle: Falls Sie Generatoren haben, schalten Sie sie bitte ein, um das Netz zu entlasten. Außerdem sollten Sie Klimaanlagen ausschalten.“

…und Trinkwasser auch

Der vorläufige Ausfall des Kraftwerks ist für Zypern eine kleine Katastrophe. Denn es liefert auch die Energie für zahlreiche Meerwasser-Entsalzungsanlagen, die einen Teil des Trinkwassers für die Insel produzieren. Entsprechend wurde bereits heute das Wasser in vielen Regionen Zyperns rationiert. Experten schätzen, dass es Monate dauern wird, bis das Kraftwerk wieder in Betrieb genommen werden kann.

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