Lebenslang nach Sechsfachmord von Duisburg

Der Sechsfachmord von Duisburg vor vier Jahren hatte die deutschen Behörden alarmiert: Auf offener Straße hatten die verfeindeten Ndrangheta-Clans ihre blutige Fehde ausgetragen. Der Haupttäter wurde nun in Italien zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Das Schwurgericht in Locri ist weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft gefolgt. Die kalabrischen Richter sahen es als erwiesen an, dass Giovanni Strangio Drahtzieher und Schütze des Sechsfachmords von Duisburg ist und verhängten die Höchststrafe gegen ihn: lebenslänglich. Die Verteidiger hatten hingegen einen Freispruch gefordert.

Außerdem ergingen Urteile gegen weitere Angeklagte, auch im Zusammenhang mit zwei weiteren Mordfällen, bei denen es um den Streit der beiden verfeindeten Ndrangheta-Clans aus San Luca in Kalabrien ging. Sieben Angeklagte erhielten ebenfalls lebenslänglich, gegen sieben weitere werden noch Urteile erwartet. Die Ankläger hatten Haftstrafen zwischen 15 und 18 Jahren gefordert.

„Ein Sieg für alle, die sich gegen die Mafia engagieren“

Tatort des Sechsfach-Mordes in Duisburg
Blumen am Tatort des Sechsfach-Mordes in Duisburg (Archivbild)

Die Abgeordenete Laura Garavini, Mitglied im Antimafia-Ausschuss des italienischen Parlaments, bezeichnete das Urteil als wichtiges Signal: Es zeige, dass Täter und Auftraggeber von Mafiamorden ihre gerechte Strafe bekämen – unabhängig davon, wo in Europa eine Tat begangen werde. Die Verurteilung Strangios und seiner Auftraggeber sei ein Sieg für alle, die sich gegen die Mafia engagierten.

Strangio ist der Boss des Nirta-Strangio-Clans aus dem Mafia-Dorf San Luca in Kalabrien. Er war 2009 in Amsterdam verhaftet und nach Italien ausgeliefert worden – auch aufgrund der Zusammenarbeit von deutschen und italienischen Beamten. Er und seine Kumpane hatten am 15. August 2007 in Duisburg nach einer Geburtstagsfeier in einer Pizzeria sechs Mitglieder der verfeindeten Pelle-Vottari-Bande erschossen – aus Rache für den Mord an Strangios Schwester an Weihnachten 2006.

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Die „Ndrangheta“ – die gefährlichste Mafia-Organisation Italiens

Beide Clans gehören der kalabrischen Mafia Ndrangheta an, sie kämpfen auch um die Vorherrschaft im Drogenhandel. Nach Angaben von Ermittlern ist die Ndrangheta inzwischen die gefährlichste Mafia-Organisation Italiens, sie soll einen geschätzten Jahresumsatz von mehr als 40 Milliarden Euro machen – vor allem durch den Schmuggel von Kokain aus Südamerika.

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