Zwischen Hungersnot und Wirtschaftsinteressen

Angela Merkel in Kenia
Angela Merkel wurde vom kenianischen Staatspräsident Mwai Kibaki empfangen.

Kenia, Angola, Nigeria: In drei Tagen bereist Bundeskanzlerin Angela Merkel drei afrikanische Länder. In der Nacht landete sie in Nairobi. Neben Treffen mit Präsident Mwai Kibaki und Ministerpräsident Raila Odinga soll unter anderem eine Vereinbarung zur Einrichtung eines Delegiertenbüros der deutschen Wirtschaft unterschrieben werden. Merkel wird von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, Abgeordneten und einer Wirtschaftsdelegation begleitet.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, forderte die Kanzlerin auf, sich für die deutschen Rohstoff-Interessen stark zu machen. „Die deutsche Wirtschaft erhofft sich von der Kanzlerin Engagement für einen weiterhin freien Zugang zu Afrikas Rohstoffen“, sagte Wansleben der „Passauer Neuen Presse“. Dabei gehe es nicht nur um Öl und Gas, sondern auch um die sogenannten Seltenen Erden, für die zuletzt häufiger chinesische Unternehmen Exklusivverträge abschlossen.

Diese Abkommen schadeten „nicht nur der deutschen Wirtschaft“, sagte Wansleben. Solche Vereinbarungen führten zur starken Abhängigkeit der Staaten von einem einzelnen Abnehmer, der dann die Konditionen diktieren könne. Ein Nutzen für die lokale Bevölkerung werde erst durch verantwortungsvolle Investoren sichergestellt. „Deutschen Unternehmen eilt auch in Afrika der Ruf voraus, Qualität mit hohen ökologischen und sozialen Standards zu verbinden“, so Wansleben weiter.

Angela Merkel in Kenia
Empfang mit militärischen Ehren: Angela Merkel bei ihrer Ankunft in der kenianischen Hauptstadt Nairobi

Hilfsgelder für hungernde Flüchtlinge

Nach Angaben des mitreisenden Staatssekretärs im Entwicklungshilfeministerium, Hans-Jürgen Beerfeltz, wird Deutschland Kenia außerdem „erhebliche“ Finanzhilfe für das größte Flüchtlingscamp der Welt, Dadaab, vor der Grenze zu Somalia geben. Am Horn von Afrika herrscht derzeit die schwerste Dürre der vergangenen 60 Jahre. Besonders betroffen ist Somalia. Aber auch Teile Äthiopiens und Kenias leiden unter der Trockenheit.

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Die Situation ist nach Einschätzung des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR), das für das Flüchtlingscamp in Kenia zuständig ist, die schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt. Insgesamt sind zehn Millionen Menschen, darunter zwei Millionen Kinder, von der Hungersnot bedroht. Dadaab war einst für 90.000 Menschen gebaut worden. Inzwischen sind dort rund 380.000 Flüchtlinge. Jede Woche strömen weitere 10.000 Menschen dorthin.

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