„Sie haben mit Kriminellen zusammengearbeitet“

Der ehemalige britische Premierminister Brown hat erneut schwere Vorwürfe gegen die Zeitungen des Medienunternehmers Murdoch erhoben. Um vertrauliche Information zu gewinnen, hätten die Redaktionen Kriminelle beschäftigt. Die Affäre beschäftigt heute erneut das Parlament. Führende Beamte der Londoner Polizei müssen vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aussagen.

Von Torsten Huhn, NDR-Hörfunkstudio London

Gordon Brown
Der ehemalige Premier Gordon Brown erhebt schwere Vorwürfe gegen die Murdoch-Blätter.

Der Abhörskandal in Großbritannien nimmt immer größere Dimensionen an. Nun ist bekannt geworden, dass auch der frühere Premier- und Finanzminister Gordon Brown ausgespäht wurde – und das über einen Zeitraum von über zehn Jahren. „Ich bin geschockt, ich bin richtig geschockt. Denn das ist mit Hilfe von Kriminellen geschehen“, sagte Brown dazu.

Erstmals geht es nicht nur um die „News of the World“, sondern auch um zwei andere Zeitungen aus dem Verlag News International, der dem Medienmogul Rupert Murdoch gehört: um das Boulevardblatt „Sun“ und die seriösere „Sunday Times“. So soll ein Privatdetektiv Browns Mobiltelefon gehackt und sich Informationen über sein persönliches Konto und seine Steuererklärung verschafft haben.

Als Mitarbeiter Browns ausgegeben

Ein „Sunday Times“-Mitarbeiter besorgte sich Daten über den Kauf einer Wohnung, indem er so tat, als handle er im Auftrag von Brown: „Nach dem was ich jetzt weiß, nach den Ermittlungen anderer Leute, sieht es so aus, dass sie jemanden engagiert haben, der bei meinem Anwalt angerufen und so getan hat, als täte er das in meinem Auftrag.“ Sechsmal hätten sie bei Browns Bausparkasse angerufen und so Informationen erhalten.

Sendungsbild
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  • Annette Dittert (ARD London) über den Medienskandal in Großbritannien
  • Länge: 0:03:31
  • Datum: 2011-07-12T16:09:00.000+02:00

Krankengeschichte des Sohns ausgeforscht

Die „Sun“ verschaffte sich sogar medizinische Daten und Fakten über einen Sohn von Brown, der unter Mukoviszidose leidet, einer schweren Stoffwechselkrankheit. Gerade von dieser Veröffentlichung waren Brown und seine Frau geschockt. Der frühere Premier prangert nun vor allem an, dass Journalisten mit Kriminellen zusammenarbeiten, um an Informationen zu kommen: „Ich habe herausgefunden, dass es Verbindungen gibt zwischen der ‚Sunday Times‘ und – wie ich sie nennen würde – Elementen der kriminellen Unterwelt, die bezahlt wurden.“

Auch das Königshaus betroffen

Rupert Murdoch unterwegs in London
Offenbar haben Kriminelle den Zeitungen von Rupert Murdoch zugearbeitet.

Der Verlag News International, in dem beide Blätter erscheinen, erklärte, er nehme die Anschuldigungen zur Kenntnis und werde sie prüfen. Nach Informationen des „Guardian“ haben Reporter der „News of the World“ auch bei Prinz Charles und seiner Frau Camilla versucht, die Mobiltelefone zu hacken. Reporter des inzwischen eingestellten Blattes sollen sich auch bemüht haben, Mitarbeiter des Königshauses zu bestechen, um an ein Telefonbuch mit Nummern der königlichen Familie zu gelangen.

Der geschockte frühere Regierungschef wundert sich unterdessen, dass es selbst für ihn als hochrangigen Politiker keinen Schutz gegen die illegalen Machenschaften gab: „Ich kann einfach nicht verstehen, dass bei allem Schutz und aller Sicherheit, die ein Finanzminister oder Premier genießt, er trotzdem so verletzlich ist bei einem skrupellosen und ungesetzlichen Vorgehen, wie wir es hier sehen. Wie muss es da erst dem normalen Bürger ergehen?“

Vor einem Parlamentsausschuss müssen heute führende Polizeibeamte aussagen. Dabei geht es um die Frage, warum im Jahr 2009, als die Abhörfälle bekannt wurden, keine Ermittlungen gegen die inzwischen eingestellte Zeitung „News of the World“ eingeleitet.

Original, Google Cache, archive.org

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