Parlament stellt sich gegen Murdochs Übernahmepläne

Rupert Murdoch und Rebekah Brooks
Murdoch und Verlagsmanagerin Brooks sollen vor dem Parlamentsausschuss aussagen.

Nach Bekanntwerden des Abhörskandals um britische Zeitungen formiert sich im Parlament eine einheitliche Front gegen Medienmogul Rupert Murdoch. Die Konservativen von Premierminister David Cameron – der selbst schweren Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Skandal ausgesetzt ist – wollen sich einem Antrag der oppositionellen Labour-Partei anschließen, der Murdoch zum Rückzug von seiner beabsichtigten Komplettübernahme des Fernsehkonzerns BSkyB auffordert. „Wir beabsichtigen, das zu unterstützen“, sagte ein Sprecher.

Die Liberaldemokraten, kleinerer Koalitionspartner der Konservativen, hatten bereits zuvor angekündigt, im Zweifel mit der Opposition zu stimmen. Vize-Premierminister Nick Clegg sagte, Murdoch solle sein Übernahmeangebot „überdenken“.

Die Abstimmung im Parlament ist zwar nicht bindend, erhöht jedoch den politischen Druck auf Murdoch erheblich. BSkyB-Aktien reagierten mit Kursverlusten auf die Erklärung der Regierung – sie büßten 3,3 Prozent ihres Wertes ein.

Regierung trug Deal bis vor kurzem mit

Der Abhörskandal, in den vor allem Murdochs inzwischen eingestelltes Boulevardblatt „News of the World“, aber möglicherweise auch die „Sun“ und die „Sunday Times“ verwickelt sind, hat die politische Großwetterlage völlig verändert.

Murdochs beabsichtigter Milliardendeal, mit dem er über seinen Medienkonzern News Corp. die 61 Prozent an BSkyB übernehmen will, die ihm noch nicht gehören, ist seit langem ein Zankapfel. Bis vor wenigen Wochen hatte die Regierung Cameron das Gebot Murdochs in Höhe von rund acht Milliarden Pfund (9 Milliarden Euro) allerdings noch mitgetragen und angedeutet, ihm eine langwierige Prüfung durch die Wettbewerbskommission zu ersparen. Die gibt es jetzt aber doch, allerdings nachdem Murdoch selbst den vereinbarten Deal wieder veränderte, so dass dieser ans Kartellamt zurückgehen musste, wie ARD-Korrespondentin Annette Dittert erläuterte. Dabei handele es sich um ein Spiel auf Zeit.

Sendungsbild
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  • Annette Dittert (ARD London) über den Medienskandal in Großbritannien
  • Länge: 0:03:31
  • Datum: 2011-07-12T16:09:00.000+02:00

Ausschuss will beide Murdochs sowie Rebekah Brooks anhören

Kommende Woche sollen Murdoch und sein Sohn James, der Chef des zu News Corp. gehörenden Verlags News International ist, sowie Rebekah Brooks vor dem wegen des Abhörskandals gegründeten Parlamentarier-Ausschuss erscheinen. Die umstrittene Managerin von News International war zu Zeiten des Abhörskandals Chefredakteurin bei „News of the World“. Bislang ist unklar, ob sie der Aufforderung nachkommen werden.

Unterdessen muss der Kriminalbeamte, der vor dem Ausschuss zu der Frage aussagte, warum er im Jahr 2009 aufgenommene Ermittlungen gegen „News of the World“ nicht weiterverfolgte, am Mittwoch erneut erscheinen. Seine Antwort – er habe die Tragweite des Falls nicht erkannt – reichte dem Gremium nicht.

Original, Google Cache, archive.org

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