Merkel umwirbt das ölreiche Angola

Ein Wort steht groß über dem Besuch von Kanzlerin Merkel in Angola, und das ist Öl. Nur Nigeria exportiert in Afrika mehr von dem Rohstoff, und so versuchen viele Länder, mit Angola ins Geschäft zu kommen. Merkel bot ihren Gastgebern eine „Energiepartnerschaft“ an – und Waffen.

Von Michael Götschenberg, MDR, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. in Luanda

Mit viel Pomp und militärischen Ehren wurde die Kanzlerin in Angola empfangen. Staatspräsident Jose dos Santos sprach von einem historischen Tag, denn tatsächlich kommt mit Angela Merkel das erste Mal eine deutsche Bundeskanzlerin nach Angola.

Im Gepäck hat Merkel Angebote, vor allem für mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit. „Deutschland ist bereit,“ so Merkel. Sie könne sich eine Energiepartnerschaft und auch eine Rohstoffpartnerschaft vorstellen. Sie fährt fort: „Wir sind interessiert an Investitionen in die Infrastruktur, in die Industrialisierung, in die Bildung.“ Und dabei könne man Angola auf dem Weg zu mehr Wohlstand auch wirklich zur Seite zu stehen.

Angela Merkel und der angolanische Staatspräsident José Eduardo dos Santos beim Staatsbankett in Luanda
Angela Merkel und der angolanische Staatspräsident José Eduardo dos Santos beim Staatsbankett in Luanda

Rüstungsgeschäfte ohne Geheimhaltung

Die deutsche Hilfe erstreckt sich auch auf den Bereich der Verteidigungspolitik. Konkret hat Merkel bei ihrem Besuch in Luanda deutsche Patrouillenboote zur Grenzsicherung angeboten. Merkel begründete das damit, dass Konflikte in Afrika möglichst regional befriedet werden sollen – in Angola sieht die Bundesregierung dabei eine Art Stabilitätsanker: „Angola gehört zu den Ländern in der Afrikanischen Union, die sich sehr für Stabilität einsetzen. Unser Ziel ist ja, dass regionale Konflikte auch durch regionale Truppen befriedet werden können.“

Angola ist selbst erst seit wenigen Jahren befriedet. 2002 war es gelungen, einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg zu beenden. 2008 fanden Wahlen statt, im kommenden Jahr soll erneut gewählt werden.

Demokratische Defizite

Angela Merkel in Luanda
Auf offene Kritik verzichtete Merkel in Luanda.

Präsident dos Santos ist seit mehr als 30 Jahren im Amt. Oppositionelle klagen über Einschränkungen bei der Meinungs- und Pressefreiheit. Merkel machte klar, dass die Wahlen im kommenden Jahr ein Gradmesser für den Fortschritt in diesem Bereich sein werden.

Auf offene Kritik verzichtete die Kanzlerin aber. Sie glaube, so Merkel, dass Angola schon viel geschafft habe, nannte aber zentrale Herausforderungen für das Land: „Transparenz, Kampf gegen Korruption und absolute Freiheit auch der Meinungsäußerung.“

Hilfe bei Großprojekten

Dos Santos stellte deutschen Unternehmen Aufträge in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro in Aussicht. Man setze auf deutsche Maschinen und deutsches Know How bei mehreren Großprojekten, so beim Bau von Wasserkraftwerken und Staudämmen.

Angola ist die zweite Station auf der Afrika-Reise der Kanzlerin – den Abschluss bildet Nigeria. Die Reise dient vor allem dazu, Türen für die deutsche Wirtschaft zu öffnen. Kenia, Merkels erste Station, Angola und Nigeria gelten als aufstrebende Wirtschafts- und Regionalmächte in Afrika. Dabei ist der Markt bereits stark umkämpft: Allen voran engagiert sich China in Afrika zum Beispiel mit Infrastrukturprojekten – frei nach dem Motto „Straßen für Rohstoffe“. Hier hat Angola einiges zu bieten: Das Land hat jede Menge Öl.

Original, Google Cache, archive.org

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