Strauss-Kahn ist aus dem Rennen

Wer tritt gegen Amtsinhaber Sarkozy an? Bei Frankreichs Sozialisten reichten sechs Politiker ihre Bewerbung ein – Strauss-Kahn ist nicht dabei. Dabei galt der ehemalige IWF-Chef lange Zeit als Hoffnungsträger der Partei. Die Favoritenrolle haben jetzt andere.

Von Anne Christine Heckmann, SR-Hörfunkkorrespondentin Paris

Strauss-Kahn
Strauss-Kahn scheint bei der Präsidentschaftswahl aus dem Rennen.

Dominique Strauss-Kahn war der haushohe Favorit für die Präsidentschaftswahl. Auf ihm ruhten die Hoffnung der Sozialisten. Er sollte Amtsinhaber Nicolas Sarkozy 2012 ablösen. Doch jetzt ist es vorbei für DSK, wie ihn die Franzosen nennen. Nach der Anklage in New York droht ihm auch noch ein Verfahren in Frankreich. Die 32-jährige Autorin Tristane Banon hat Anzeige gegen ihn wegen versuchter Vergewaltigung im Jahre 2003 erstattet.

Mit einem Comeback rechnet jetzt keiner mehr. Auch wenn die Sozialisten Strauss-Kahn das Hintertürchen zu den Vorwahlen offen lassen. „Gehen wir mal davon aus, dass Dominique Strauss-Kahn entscheidet, als Kandidat zu uns zurückzukehren“, sagt die Nummer eins der Partei, Martine Aubry. „In dem Fall wird es doch niemand wagen, ihm eine Bewerbungsfrist vorzuhalten.“

Ungeeignet für ein politisches Amt

Ernsthaft glaubt aber niemand mehr, dass Strauss-Kahn so schnell in die Politik zurück kommt. Schließlich hat er auch in der Bevölkerung keinen Rückhalt mehr. Zwei Drittel der Franzosen lehnen eine Kandidatur des ehemaligen IWF-Chefs für das Präsidentenamt ab, sagt Brice Teinturier vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos. „Ganz gleich was sich in dieser Hotelsuite im New Yorer Sofitel wirklich abgespielt hat: Das Verhältnis von Strauss-Kahn zu Frauen einerseits und zum Geld andererseits lässt ihn in den Augen der Franzosen als ungeeignet für eine unmittelbares politisches Amt  erscheinen.“

Die drei Favoriten der Sozialisten: (von links) Martine Aubry, François Hollande, Ségolène Royal
Die drei Favoriten der Sozialisten: (von links) Martine Aubry, François Hollande, Ségolène Royal

Am meisten Chancen, Nicolas Sarkozy im Frühjahr 2012 Paroli zu bieten, hat laut Umfragen der frühere Parteivorsitzende François Hollande. Zwischen dem 56-Jährigen und der vier Jahre älteren Martine Aubry könnte es ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei den internen Vorwahlen geben. Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal ist weit abgeschlagen.

Endlich wieder Politik machen!

Alle sechs Vorwahl-Bewerber wollen nach den Strauss-Kahn-Wochen endlich wieder Politik machen. Auf die drei Buchstaben „DSK“ reagiert der Sozialist Manuel Valls mittlerweile allergisch. „Ich habe keine Lust mehr, diese Fülle von Schlamm zu kommentieren, die sich gerade über die Berichterstattung und das politische Leben in Frankreich hermacht. Als  Kandidat für die Vorwahlen will ich mich um die Interessen der Franzosen kümmern und von der Zukunft des Landes sprechen.“

Der interne Wahlkampf der Sozialisten hat begonnen. Ihr Kandidat für die Präsidentschaftswahl wird von den Anhängern der französischen Linken Anfang Oktober in einer Urwahl gekürt. Die Sozialisten hoffen, dass bis dahin wieder die Themen im Mittelpunkt stehen – und nicht mehr nur eine Person: Dominique Strauss-Kahn.

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