Neuer Tschernobyl-Sarkophag kann gebaut werden

25 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl will die Ukraine mit dem seit langem geplanten Bau eines neuen Sarkophags um den explodierten Reaktor Tschernobyl beginnen.

Nach Angaben von Präsident Wiktor Janukowitsch sind inzwischen genügend Spendenzusagen eingegangen. Die Arbeit an dem 740 Millionen Euro teuren Projekt könne noch in diesem Jahr starten und bis 2015 abgeschlossen sein, teilte das Außenministerium in Kiew mit. Ein Sprecher der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung erklärte, internationale Geldgeber hätten bislang 670 Millionen Euro zugesagt. Veranschlagt sind Kosten von 740 Millionen Euro. Der Rest soll in den kommenden Jahren zusammenkommen.

Sarkophag für Tschernobyl
Modell der geplanten neuen Reaktorschutzhülle: Die riesige Hallenkonstruktion soll nach ihrer Fertigstellung über den zerstörten Reaktor geschoben werden und verhindern, dass weitere radioaktive Strahlung entweicht.

Zwar gebe es weltweit keine Erfahrung mit dem Bau einer solchen Stahlbetonkonstruktion. „Aber wir sind optimistisch, dass die Arbeiten bis 2015 abgeschlossen sein werden“, sagte Oleg Woloschin, der Sprecher des Außenministeriums.

Provisorium aus Stahl und Beton bröckelt

Die momentane Schutzhülle aus Beton und Stahl war ursprünglich nur als Provisorium geplant und hat bereits zahlreiche Risse. Experten gehen davon aus, dass nur fünf Prozent des Kernbrennstoffs bei der Explosion vor 25 Jahren freigesetzt wurden. 95 Prozent seien noch im Reaktor. Sollte der alte Betonmantel, der in nur sechs Monaten errichtet wurde, zusammenbrechen, wäre dies eine Gefahr – nicht nur für die Ukraine.

Der Reaktorblock 4 des AKW war am 26. April 1986 explodiert. Mehrere Tage lang wurden radioaktive Teilchen in die Luft gewirbelt worden. Mindestens 10.000 Menschen starben laut Schätzungen an den Folgen der Katastrophe. Der letzte Teschernobyl-Meiler ging erst im Jahr 2000 vom Netz.

Dossier

25 Jahre Tschernobyl
„Tschernobyl – ein Name, der sich in das Gedächtnis der Menschheit eingebrannt hat“ – schon im ARD-Jahresrückblick 1986 war längst klar: Die Katastrophe hatte alles übertroffen und würde auf Jahrzehnte prägend bleiben. Wir haben Aktuelles, Berichte von damals und Hintergründe zusammengestellt.

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