Eine „ganz normale“ russische Tragödie?

Trauer um die Opfer der Schiffskatastrophe
Trauer um die Opfer der Katastrophe

Drei Tage nach dem schweren Schiffsunglück auf der Wolga werden die Zweifel an der Tauglichkeit der „Bulgaria“ immer lauter. Die Betreiber, von denen mittlerweile zwei festgenommen wurden, hätten die Wartung des mehr als 55 Jahre alten Schiffs völlig vernachlässigt, berichten russische Medien. Nötige Reparaturen im Wert von umgerechnet 175.000 Euro hätten die Besitzer abgelehnt, zudem sei die Crew seit Monaten nicht bezahlt worden.

Das Boot sei vor einiger Zeit in „Bulgaria“ umgetauft worden. Unter dem eigentlichen Namen „Ukraina“ war es in mehreren Wolga-Häfen deswegen aufgefallen, weil die Betreiber dort Rechnungen nicht beglichen hätten. Russische Medien sprachen von einer „ganz normalen Tragödie“, wie es sie in Russland immer wieder gebe. Schuld daran seien Nachlässigkeit, Korruption und Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften

100 Leichen geborgen

Taucher bargen mittlerweile 100 Leichen aus dem in 20 Meter Tiefe liegenden Wrack. Viele Kinder waren an Bord des Ausflugsschiffs. „Wir vermuten dort noch weitere Tote“, sagte ein Sprecher der Rettungskräfte der Nachrichtenagentur Interfax. Das Boot liege auf der Seite und sei wegen der Dunkelheit auf dem Flussgrund schwer zu durchsuchen. Ziel sei es, die „Bulgaria“ nächste Woche zu heben.

Mit mehr als 200 Menschen an Bord statt der erlaubten 140 war das Schiff am Sonntag in einen Sturm geraten und binnen weniger Minuten gesunken. Lediglich 79 Menschen konnten aus dem Wasser gerettet werden. Einige von ihnen berichtete später, die „Bulgaria“ habe schon bei der Abfahrt Schlagseite gehabt. An der Unglücksstelle nahe der Stadt Kasan in der russischen Teilrepublik Tatarstan ist die Wolga aufgestaut, sehr tief und gleicht einem Binnenmeer.

Wolga, Kasan

Original, Google Cache, archive.org

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