Anschlag bei Karsai-Gedenken in Kandahar

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Trauerfeier in einer Moschee für einen Halbbruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai sind in Kandahar mindestens vier Menschen getötet worden. Der Staatschef nahm nach Angaben eines Sprechers nicht an dem Gottesdienst für Ahmed Wali Karsai teil, der am Dienstag von einem Leibwächter erschossen worden war. Unter den Toten sind nach Angaben des Innenministeriums in Kabul ein hoher Geistlicher und ein Kind. Mindestens 15 Menschen seien bei dem Anschlag verletzt worden.

Zahlreiche Minister aus Kabul und Angehörige Karsais besuchten den Gottesdienst. „Nach unseren bisherigen Informationen wurde niemand aus der Kabuler Delegation verletzt“, sagte Präsidialamtssprecher Waheed Omer. Der Attentäter habe den Sprengstoff anscheinend in seinem Turban versteckt.

Weiterer Karsai-Bruder rückt nach

Ahmed Wali Karsai, Halbbruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai
Ahmed Wali Karsai war am Dienstag einem Anschlag zum Opfer gefallen.

Der getötete Geistliche war Chef eines Rates einflussreicher Kleriker, der wichtige religiöse Regeln für die südafghanische Stadt Kandahar festlegt. Ahmed Wali Karsai war einer der einflussreichsten Politiker im Süden Afghanistans. Ihm wurde Korruption und Verwicklung in den Drogenhandel vorgeworfen.

Um das Entstehen eines Machtvakuums zu verhindern, ernannte Präsident Karsai kurz nach der Beisetzung einen anderen Bruder zum Nachfolger des Ermordeten als Stammesführer. Der Staatschef hatte zusammen mit Tausenden Menschen an der Beerdigung teilgenommen.

Blutiges erstes Halbjahr

Die Vereinten Nationen legten derweil ihren neuesten Bericht über zivile Kriegstote in Afghanistan vor. Danach wurden in den ersten sechs Monaten 2011 so viele Zivilisten getötet wie noch nie seit Beginn des Krieges im Jahr 2001. Zwischen Januar und Juni kamen danach 1462 Zivilisten kriegsbedingt ums Leben. Vier Fünftel der Todesfälle gingen auf das Konto Aufständischer. Vor allem bei den Selbstmordattentaten, deren Zahl nahezu unverändert geblieben sei, habe es einen Anstieg der Toten um 52 Prozent gegeben.“

„Die Zunahme der Gewalt und des Blutvergießens im ersten Halbjahr 2011 bescherte den afghanischen Zivilisten Verletzungen und Tod in einem Ausmaß, das in diesem bewaffneten Konflikt ohne Beispiel ist“, heißt es in dem Bericht. Bei den umstrittenen nächtlichen Luftangriffen der Afghanistan-Schutztruppe Isaf kamen laut Bericht bislang fast 80 Zivilisten zu Tode, was einem Plus von 14 Prozent entspricht.

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.