Türöffnerin für die deutsche Wirtschaft

Kanzlerin Merkels Afrikareise sollte ein Zeichen sein: Deutschland sieht Afrika nicht mehr nur als Entwicklungshilfeempfänger – sondern auch als wirtschaftlich dynamische Region. Vom Boom in Teilen des Kontinents konnte sich Merkel auch auf ihrer letzten Station Nigeria überzeugen.

Von Michael Götschenberg, MDR, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Abuja/Nigeria

Der Flughafen von Nigerias Hauptstadt Abuja ist 30 Kilometer von der Stadt entfernt – doch von Monat zu Monat werden es weniger. Die Grundstücke sind schon alle verkauft: Abuja ist die am schnellsten wachsende Stadt in Afrika. Auch in den Hauptstädten von Kenia und Angola kann man ihn an jeder Ecke sehen: den Wirtschaftsboom.

Überall wird gebaut, und neben all den Slums, die es immer noch gibt, sieht man auch erste Anzeichen von Wohlstand. Zwar seien es immer noch Entwicklungsländer, sagt Hermann Rodler, Vorstandsmitglied bei Nokia Siemens, aber: „Jetzt  werden die Märkte verteilt“, meint er. „Wer jetzt nicht dabei ist wird es hinterher sehr sehr schwer haben gegen die etablierten Marktspieler dann noch entsprechende Marktanteile zu erwerben.“

Rodler gehörte zur Wirtschaftsdelegation, die die Kanzlerin mit nach Afrika gebracht hatte. Merkel ging es auf der Reise vor allem darum, der deutschen Wirtschaft Türen zu öffnen. Die Botschaft: Die deutsche Wirtschaft habe ein großes Interesse an mehr Kooperation – an engerer Kooperation.

Angela Merkel zu Besuch in Nigeria
„Jetzt werden die Märkte verteilt“ – Angela Merkel zu Besuch in Nigeria

Weit gehendes Angebot an Angola

Wie weit das Angebot im Einzelfall gehen kann, wurde in Angola deutlich: Merkel stellte dem Land in Aussicht, dass Angola deutsche Patrouillenboote kaufen könne, um seine Küste zu verteidigen.

Kritik an derartigen Rüstungsgeschäften ließ Merkel nicht gelten – Angola setze sich sehr für Stabilität ein, sagte die Kanzlerin, und das Ziel sei, dass regionale Konflikte auch durch regionale Truppen befriedet werden könnten.

Viel Interesse an Deutschland und seinen Angeboten

Das Angebot der Deutschen, sich in Afrika stärker wirtschaftlich zu engagieren, stieß in allen drei Ländern auf großes Interesse. So sagte Kenias Präsident Mwai Kibaki: Sein Land brauche mehr deutsche Investitionen.

Das Interesse am Besuch der Regierungschefin aus Deutschland war groß. Die afrikanischen Medien berichteten ausgiebig – Pressekonferenzen wurden meist live in Fernsehen und Radio übertragen. Als Merkel in Kenia eine Rede an der Universität von Nairobi hielt, war die Aula voll bis auf den letzten Platz.

Die Studenten machten der Deutschen klar, was sie sich wünschen: nämlich dass ihr Land auf eigenen Füßen stehen kann. „Deutschland importiert unseren Kaffee – und das ist guter Kaffee – aber er wird nicht hier, sondern in Deutschland verarbeitet – es gibt keine Wertschöpfung in unserem Land“, sagte ein Student der Kanzlerin.

Weiter große Probleme mit Korruption und Menschenrechten

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Das Problem: Es mangelt in Afrikas Boomländern an Rechtsstaatlichkeit. „Das ist das A und O hier für Afrika, das man vernünftige Basis einer Investition findet“, erklärt Joachim Enenkel, Vorstandsmitglied des Baugiganten Bilfinger Berger. Auch die Kanzlerin sparte kritische Themen nicht aus: Merkel forderte entschiedene Maßnahmen gegen Korruption, verlangte Transparenz bei der Vergabe von Aufträgen und betonte, wie wichtig die Achtung von Menschenrechten und Meinungsfreiheit ist.

Merkel wollte mit ihrer Reise ein Zeichen setzen: Die Deutschen wollen Afrika in Zukunft anders wahrnehmen – als Region, in der sich wirtschaftlich etwas tut, bei der es nicht mehr nur um Entwicklungshilfe geht.

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