RWE verkauft sein Höchstspannungsnetz

Zentrale des Energiekonzerns RWE in Essen
Auch RWE trennt sich nun von seinem Netz.

Der größte deutsche Stromkonzern RWE gibt die Mehrheitsanteile an seiner Netzgesellschaft Amprion ab. Ein Konsortium aus Finanzinvestoren und Versorgungswerken werde knapp 75 Prozent an der RWE-Tochter übernehmen, teilte der Konzern in Essen mit. Der Verkaufspreis errechne sich auf Basis eines Unternehmenswertes von 1,3 Milliarden Euro. Da RWE an dem Käufer-Konsortium beteiligt ist, hält das Unternehmen neben dem Minderheitsanteil von 25,1 Prozent weiter einen indirekten Anteil von 10,8 Prozent. Dieser Anteil solle aber noch kurzfristig verkauft werden.

Zuvor hatten sich E.ON und Vattenfall bereits vollständig von ihren Höchstspannungsnetzen getrennt. Mit 11.000 Kilometer Länge ist das Netz von Amprion das größte in Deutschland. Es reicht von Niedersachsen bis zur Schweizer und österreichischen Grenze und verbindet die Kraftwerke mit den Verbrauchsschwerpunkten Süddeutschlands. Dabei wird ein Gebiet von über 73.000 Quadratkilometern mit mehr als 27 Millionen Menschen versorgt. Die Transaktion muss noch von den zuständigen Gremien und dem Kartellamt genehmigt werden.

Milliardeninvestitionen ins Stromnetz nötig

Das deutsche Stromnetz gilt als teilweise veraltet und den Erfordernissen der Energiewende nicht gewachsen. Daher sind in den kommenden Jahren hohe Investitionen nötig – Schätzungen gehen von einem zweistelligen Milliardenbetrag aus. RWE geht davon aus, dass selbst die nun angestrebte Minderheitsbeteiligung noch Investitionen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren erfordert.

Fragen und Antworten

Welches Stromnetz braucht das Land?
Zu den acht Gesetzen der Energiewende zählt neben dem Atomausstieg auch der Netzausbau: Ein Milliardenprojekt, für das in den nächsten Jahrzehnten bis zu 380.000 Kilometer neue Kabel quer durch die Republik verlegt werden müssen. tagesschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Die Verbindung der Fernnetze mit der Produktion von Strom der großen Versorger stößt zudem bei Verbraucherschützern, Politikern und der EU seit Jahren auf Kritik. Den Konzernen wird vorgeworfen, ihre Netz-Monopole zu nutzen, um die Durchleitung von Strom von Konkurrenten zu erschweren und so mehr Wettbewerb zu verhindern. Vor allem die EU-Kommission hatte auf eine Aufspaltung der Energiekonzerne bestanden – zunächst gegen den Widerstand der Bundesregierung.

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