Mehr als 1000 Tote bei Explosionen in Turkmenistan?

Sicher ist: In Turkmenistan gabe es vergangene Woche schwere Explosionen. Wie schwer, ist aber unklar: Die Opposition spricht von über 1000 Toten nach einem Unglück in einem Munitionsdepot – das Regime von 13 Toten wegen explodierter Feuerwerkskörper in einem Kaufhaus.

Von Hermann Krause, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Mehr als 1380 Menschen sollen am letzten Donnerstag und Freitag bei Explosionen nahe der turkmenischen Stadt Abadan ums Leben gekommen sein. Die Armee habe Massengräber ausgehoben und die zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichen einfach hineingeworfen, berichtet die oppositionelle Internetzeitung „Chronik von Turkmenistan“ – deshalb wüssten viele Menschen nicht, ob ihre Angehörigen überhaupt noch lebten.

Laut der Internetzeitung war es zu den Explosionen gekommen, als Soldaten damit begannen, ein Munitionsdepot in unmittelbare Nähe der Stadt Abadan auszulagern. Grobe Fahrlässigkeit habe zu dem Unglück geführt, heißt es. Über 48 Stunden hätten die Explosionen angedauert, dabei seien auch viele Soldaten und Feuerwehrleute ums Leben gekommen.

Stadt fast völlig zerstört

Turkmenistan Abadan
Turkmenistan wird autoritär regiert und weitgehend vom Ausland abgeschottet.

Kurzstreckenraketen, die in dem Depot eingelagert waren, seien wie im Krieg auf die Häuser zugeflogen. Getroffen worden seien auch Schulen, Kindergärten und ein Krankenhaus. Unter den Opfern seien viele Kinder, berichtet die Internetzeitung. Ein großer Teil der 50.000 Einwohner zählenden Stadt wurde demnach zerstört. Im Internet sind Bilder von zerbombten Häusern und ausgebrannten Ruinen zu sehen.

Weil Ärzte und Krankenhäuser in der nur 80 Kilometer entfernten Hauptstadt Aschgabat nicht darauf vorbereitet waren, den unzähligen Brandopfern zu helfen, seien – so die „Chronik von Turkmenistan“ – viele der Verletzten qualvoll gestorben. Auch hätten noch tagelang nicht explodierte Granaten in den Straßen gelegen, so dass die Bewohner ihre Häuser gar nicht inspizieren konnten.

Abadan wurde 1963 an der Grenze zum Iran errichtet und ist auch Stationierungsort der turkmenischen Armee.

Präsident spricht von nur 13 Toten

Der sein Land diktatorisch regierende Präsident Gurbanguli Berdymuchamedow behauptet indes weiterhin, in einem Kaufhaus seien lediglich Feuerwerkskörper explodiert, 13 Menschen seien getötet worden. Tagelang wehrte sich Berdymuchamedow gegen Hilfe aus Russland – nach schwierigen Verhandlungen schickte das russische Katastrophenministerium doch noch  Militärexperten und Ärzte.

Zuvor hatte der turkmenische Außenminister die russischen Medien beschimpft und ihnen eine falsche Berichterstattung vorgeworfen. Sofort nach Beginn der Explosionsserien schaltete die Regierung das Internet ab, damit keine Berichte ins Ausland gelangen.

Turkmenistan hat sich weitgehend vom Ausland abgeschottet. Das zentralasiatische Land ist allerdings für Europa besonders interessant, da sein Gas für die „Nabucco-Pipeline“ benötigt wird, mit der sich die EU von russischem Gas weitgehend unabhängig machen will.

Original, Google Cache, archive.org

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