Murdoch gerät auch in Australien unter Druck

Die australische Premierministerin Gillard will Konsequenzen aus dem britischen Abhörskandal ziehen: Sie will die Besitzverhältnisse auf dem Zeitungsmarkt durchleuchten und die Medienrichtlinien untersuchen – Maßnahmen, die eindeutig auf das australische Tochterunternehmen von Rupert Murdoch zielen.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

Julia Gillard
Sie will Murdochs Medienunternehmen in Australien stärker untersuchen: Julia Gillard, australische Premierministerin

Auch in seinem Heimatland Australien gerät der Medienunternehmer Rupert Murdoch nun nach dem Abhörskandal in Großbritannien unter Druck. Australiens Premierministerin Julia Gillard hält eine Untersuchung der Medienrichtlinien Australiens für sinnvoll. Zudem will sie die Besitzverhältnisse auf dem Zeitungsmarkt durchleuchten. Dies zielt sehr deutlich auf das Medienunternehmen News Limited ab. News Limited ist das australische Tochterunternehmen von Murdochs News Cooperation. News Limited gehören knapp 20 Regionalzeitungen, dazu kommend die überregionalen Blätter „The Australian“ und „Herald Sun“. Publizistisch beherrscht das Unternehmen große Teile Australiens.

Insbesondere Bob Brown, Parteichef der Grünen Australiens, die Gillards Labour-Minderheitsregierung unterstützen, will hart gegen Murdoch vorgehen: „Ich wünsche mir eine vollständige Untersuchung der Medien“, sagt der Politiker, „sowohl der Besitzverhältnisse als auch der Einflussmöglichkeiten.“ Und Premierministerin Gillard wünscht sich eine öffentliche Diskussion über die Medien und deren Verhalten. „Ich möchte mich gerne mit anderen Politikern zusammensetzen und darüber reden, welche Folgen der Skandal in Großbritannien hat“, sagt sie.

Opposition stellt sich hinter Murdoch-Konzern

Rupert Murdoch unterwegs in London
Rupert Murdoch unterwegs in London

Praktiken wie die der britischen Boulevardzeitung „News of the World“ hält der Geschäftsführer der australischen News Limited, John Hartigan, für völlig ausgeschlossen. „Ich habe größtes Vertrauen, dass es hier kein unsauberes, unmoralisches Verhalten unserer Journalisten gegeben hat“, so Hartigan. Natürlich werde nun „News Limited“ mit der „News of the World“ in Verbindung gebracht, hatte Hartigan bereits Mitte der Woche in einer Mail an alle Mitarbeiter geschrieben. Dies lasse sich nicht verhindern, es gebe dafür aber keinen Anlass.

Die Opposition gibt Hartigan Recht. Oppositionsführer Tony Abbott sieht keinen Anlass für eine weitreichende Untersuchung der australischen Medien auf einen bloßen Verdacht hin. Es gebe keine Anzeichen für Abhörpraktiken wie sie in Großbritannien aufgedeckt worden seien. Julia Gillards Stellvertreter Wayne Swan hat die Rufe nach detaillierten Untersuchungen der Medienpraktiken in Australien denn auch inzwischen etwas gedämpft. Es sei gut, so Swan, wenn es eine gesunde Debatte über die Medien gebe, mehr aber sei eigentlich nicht notwendig.

Original, Google Cache, archive.org

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